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Kaffeesiederball Wien: Prinzessin für eine Nacht

Wie jedes kleine Mädchen träumte ich davon, mal von einer Pferdekutsche zum Ball abgeholt zu werden. Heute erstarrt mein Herz schon vor Freude, wenn der Bus in Berlin pünktlich kommt. Manche Träume gehen allerdings mit Verspätung in Erfüllung. Und so kam Anfang des Jahres gleich eine Einladung hereingeschneit (auch wenn nicht von zwei zwitschernden Vögelchen getragen) – zu einem echten Wiener Ball. P1030250 (1)Wien gilt seit mehr als 200 Jahren als die Hauptstadt aller Bälle. Alljährlich finden in der österreichischen Hauptstadt rund 450 Ballveranstaltungen statt. Wo werde ich also sonst zur Prinzessin, wenn nicht hier?P1030122Kleine Geschichtsstunde: Ihre erste Blüte erreichten die festlichen Ballabende beim Wiener Kongress 1814/15. Zahlreiche gekrönte Häupter und Politiker aus ganz Europa trafen sich in der Metropole des Habsburgerreiches, um nach dem Sturz Napoleons die Ländergrenzen neu festzulegen. Und mussten bei Laune gehalten werden. Immer, wenn jemand bei Laune gehalten muss, kommen tolle Erfindungen heraus.P1030233 (2) Heute reicht die Ballpalette von traditionell bis ausgefallen. Natürlich kennt jeder den Opernball. Dabei gibt es z.B. auch noch den Zuckerbäckerball, den Philharmonikerball, den Polizistenball und sogar den Hip-Hop-Ball, wo zum Kleid Turnschuhe kombiniert werden. Meine Einladung war für den 61. Kaffeesiederball in der Hofburg – und der ist bei den Wienern äußerst beliebt. Weil er so nett ist, festlich, aber dennoch nicht zu steif. Kein Medienevent, sondern eher was fürs Herz. Seit 1957 wird der Ball vom Klub der Kaffeehausbesitzer organisiert. Glücklicherweise, denn bekanntlich wird ja jede Prinzessin ohne Kaffee zur Hexe. Die Wiener Kaffeehaustradition zählt übrigens seit 2011 sogar zum Kulturerbe der Unesco! In Top-Adressen wie das Café Museum tranken schon Gustav Klimt, Peter Altenberg oder Adolf Loos ihre Melange. Weitere schöne Kaffeehäuser sind Café Central, Café Landtmann, Café Hawelka, Café Demel, Coffee Pirates.GetFileAttachment-4Während die Kaffeehäuser allerdings jeder Tourist aufsuchen kann, war mir nicht bekannt, dass es sich mit den Bällen ähnlich verhält. So schwer ist es also nicht, Prinzessin für eine Nacht zu werden. Eine Karte kostet zwischen 50 und 300 Euro (Flanierkarten für den Kaffeesiederball ca. 150 Euro). Die Damen brauchen ein langes Abendkleid, die Herren einen Frack oder zumindest einen Smoking. Beides kann man kurzfristig leihen. Und Walzer-Grundkenntnisse sind auch von Vorteil.GetFileAttachmentAm Morgen vor dem großen Tag mache ich an der Tanzschule Elmayer deshalb einen Walzer-Crashkurs (kann jeder buchen). 1919 wurde die Schule vom ehemaligen Rittmeister Willy Elmayer-Vestenbrugg gegründet, um auch dem einfachen Volk Walzer und Etikette beizubringen. Denn Ballbesuche waren lange Zeit nur Aristokraten vorbehalten. Ich lerne die Schritte schnell: Ein Bein nach hinten, das andere zur Seite, nachziehen – und das vom Enkel des berühmten Elmayers persönlich! In dieser Schneckengeschwindigkeit kein Problem, aber: Der Walzer gilt mit ungefähr 60 Takten pro Minute als der schnellste Tanz der Welt. Wir werden sehen, was später auf der Tanzfläche passiert.GetFileAttachment-8Danach steht das Aussuchen des Kleides auf dem Programm. Bei Vondru kann man Ballkleid und Frack leihen. Meins ist zu lang und zu breit (Yesss, und das nach Weihnachten!), es muss also gekürzt und angepasst werden. Ich gebe meine Hoteladresse an, das Kleid wird mir aufs Zimmer geliefert. Was für ein Service! Allerdings kann das Ausleihen bis zur Hälfte des Kaufpreises kosten (vor allem bei neuen Kleidern). Ich würde daher raten, auf jeden Fall auch ein eigenes langes Kleid mitzunehmen, falls nichts Passendes dabei ist. P1020755 (1)So viel Schönheitsstress macht hungrig. Meine Empfehlung für ein Snack zwischendurch: Die Schnittchen im Schwarzen Kamel. Wer sich nicht entscheiden kann, nimmt einfach alles. Sind ja genau deswegen so klein.P1030121Als ich zurück auf mein Zimmer im Park Hyatt Vienna komme, liegt mein Kleid auf meinem Bett. Das Hotel ist eine ehemalige Bank, und wirkt wahrlich kaiserlich. Sich dort für den Ball fertig zu machen, hatte schon eine besonders festliche Atmosphäre. P1020681 (1)P1030082 (1)Wie wunderschön ist bitte das Hotelrestaurant The Bank Brasserie & Bar? P1030106 (1)P1020675 (1)Ich vor dem Umstyling (immer mit Essen in der Hand).GetFileAttachment-7Ich nach dem Umstyling. Habe mir extra etwas Außergewöhnliches überlegt: Duckface-Selfie mit Peace-Zeichen. Zum Glück bin ich individuell.P1020763Vor dem Ball noch ein paar Drinks in der beeindruckenden Hotelbar – so klappt der Walzer später besser. P1030085P1030102P1030095Wichtiger Hinweis: Die meisten Bälle fangen spät an (gegen 21 Uhr) und gehen bis ganz früh am Morgen. Und es gibt dort nur wenig zu essen. Deshalb ist ein Pre-Ball-Dinner sehr wichtig. The Bank Brasserie & Bar im Park Hyatt Vienna ist eine super Adresse, außerdem das Hotel Sacher oder das Café Imperial.GetFileAttachment-2Halb neun abends war es so weit. Eine Kutsche wartete vor dem Hotel auf mich. Das ultimative Sisi-Gefühl! GetFileAttachment-1Trotzdem musste ich kurz nachrechnen: 5000 Gäste werden beim Kaffeesiederball erwartet. Es sind also mindestens 2500 andere Prinzessinnen da. Frechheit! Nach etwa zehn Minuten erreichten wir dann die machtvoll geschwungene Front der Hofburg, die ehemalige Residenz der Habsburger. Sisi mochte die Hofburg übrigens nicht sonderlich. Mir dagegen bleibt beim Anblick aber der Atem stocken.180118_Kaffeesiederball_0486Danke an Wien Tourismus und Rainer Fehringer für die schönen Kutschen-Aufnahmen!P1020810Nach den Kutschenfotos muss ich mich aber ziemlich beeilen und zum Festsaal durchkämpfen (das habe ich jahrelang in der U-Bahn geübt). Die anderen sind alle pünktlicher da. Können also keine echten Prinzessinnen sein. Nach ein paar Minuten beginnt der traditionelle Einzug der Debütanten: Junge Frauen in weißen Kleidern werden von ihren befrackten Partnern feierlich in den Saal geführt und tanzen zum Donauwalzer. Hach!P1020798180118_Kaffeesiederball_0677Foto: Wien Touristmus/Rainer FehringerP1020835Das Eröffnungszeremoniell endet immer mit dem Aufruf des Tanzmeisters: „Alles Walzer“. Jetzt sind alle auf die Tanzfläche eingeladen. Ich schaue mich um. An unserem Tisch stehen drei Taxitänzer – so heißen die jungen Herren, die extra dafür gebucht werden, um mit den Damen zu tanzen. Im 19. Jahrhundert hatte eine Dame noch eine Tanzkarte, in die sich die Herren eintrugen. Die fetten Jahre sind vorbei, heute sind die Damen in der Überzahl, tanzende Herren ein Mangel, Taxitänzer sollen aushelfen. Und noch so eine tolle Erfindung! Ach, ich mag die Wiener.180118_Kaffeesiederball_0792Mit meinem Taxitänzer Johannes (ich habe mir natürlich den coolsten ausgesucht) läuft der Walzer wie geschmiert, was weniger an meinem und deutlich mehr an seinem Talent lag. Irgendwann erreichten wir eine Wahnsinnsgeschwindigkeit. Da wurde mir klar, warum der Wiener Walzer jahrhundertelang verboten war. Er galt als zu anrüchig, zu viel Körperkontakt, außerdem vermittelt er ein Gefühl vom Fliegen – und jegliche Form von Rausch war pfui.GetFileAttachment-5Nach zwei Uhr, da haben alle Taxitänzer eigentlich Dienstschluss, fing der Spaß für uns erst richtig an. Die Kutschen sind längst zu Kürbissen geworden, jetzt gab eh nichts mehr zu verlieren. Also liefen Johannes und ich durch die Gänge der Hofburg (er nannte es „Flanieren“). Ein Stucksaal mit Lüstern reihte sich an den nächsten (es wird in anderen Sälen auch Jazz, Swing und Pop gespielt), dann wieder Gänge, Treppen, Aufzüge, Zimmerfluchten – ohne Johannes hätte ich mich längst verlaufen. Mittlerweile hatten meine Füße die Farbe meines Kleides angenommen. Der Preis des Prinzessinnendaseins …GetFileAttachment-6Ganz zum Schluss schlängelten wir und an Securties vorbei und tranken Zirbenschnaps aus dem Flachmann. Auch nicht so anders als in Berlin. Dann weihte mich Johannes in die Etikette neben der offiziellen ein: Am Ende des Balls nimmt jeder einen Schwung der üppigen Blumendeko mit und fährt in voller Montur in ein Kaffeehaus zur „Reparatur“ – so heißt die morgendliche Gulaschsuppe nach dem Ball. „Ohne etwas Schabernack warst du nicht auf einem Wiener Ball“, sagte er. Diese Etikette werde ich mir für immer merken!P1020954 (1)Was eine Prinzessin zwischen den Bällen macht? Natürlich ein bisschen Kultur und viel Stärkung. Erste Anlaufstelle war am nächsten Tag daher der berühmteste Kuss der Welt – von Gustav Klimt im Schloss Belvedere.GetFileAttachment-1 (1)Zweite Anlaufstelle ist das Leopold Museum mit der weltweit größten Sammlungen von Schiele-Werken (unten ein Selbstportrait des Künstlers). Gleich um die Ecke bekommt man im Glacis Beisl eines der besten Schitzel der Stadt. Kunst macht hungrig.GetFileAttachment-2 (1)GetFileAttachment-3P1030204 (1)P1030217Bei jedem Wien-Besuch kann ich mich an drei Spots nicht sattsehen: Dem Blick vom Stephansdom (auch wenn es über 300 Stufen hoch sind), dem Graben mit seiner leuchtenden barocken Dreifaltigkeitssäule (zugegeben, hier leuchten auch die Schaufenster besonders schön) und dem Jugendstil-Karlsplatz.P1030166P1030009 (1)Und noch mehr Essen: Hier kommen meine zwei Restaurantempfehlungen für den Abend: P1030059 (1)Das Skopik & Lohn im coolen Karmelitermarkt erinnert mit seinen Wänden zwar etwas an die Netflix-Serie Stranger Things. Das Essen ist aber ganz und gar nicht merkwürdig, sondern eher traditionell-kreativ. Ich hatte gebeizten Lachs mit Roter Rübe, Kren und Kumquat als Vorspeise und Seeteufel mit Kokos-Kardamom Beurre Blanc und Süßkartoffeln als Hauptgericht. Beides Top!P1030066 (1)GetFileAttachment-9P1020729Das Restaurant Motto am Fluss am Donaukanal ist eigentlich ein Schiff. Restaurantschiffe haben ja oft etwas Altbackenes an sich, aber das hier sieht eher aus wie ein stylisches Raumschiff mit einem grünen Daumen. Es ist perfekt für ein Date oder eine kleine Feier oder eben beides. Unbedingt probieren: Gebeizten Saibling mit Erbsen, Kohlrabi und Amalfi-Zitrone!P1020721 (1)P1020736 (1)Noch mehr Bubbles? Das Loft  in der 18. Etage vom Sofitel Vienna Stephansdom (Fotos unten) bietet eine tolle Aussicht auf Wien – mit einer Decke, die sich über der gesamten Stadt spiegelt. Oder waren es die Drinks? rooftopGetFileAttachment-10Vielen Dank an Wien Tourismus für die unvergessliche Reise!

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Zelten im Herzen vom Great Barrier Reef

Stellt euch vor, ihr geht in den Keller und steht mitten im größten Aquarium der Welt! Was sich nach Science Fiction oder ein bisschen zu viel Bier anhört, ist tatsächlich möglich. Und zwar auf einem 50 mal 15 Meter großen Ponton im Herzen des 350.000 Quadratkilometer großen Great Barrier Reefs im australischen Queensland. Die schwimmende Plattform hat ein verglastes Untergeschoss und sogar Zeltplätze auf dem Dach! P1190615P1190621P1190636Mit seinen 600 Inseln und 2900 einzelnen Riffen ist das Great Barrier Reef das größte lebende Organismus der Welt und ist sogar vom Mond aus zu sehen. Es bietet Lebensraum für mehr als 30 Wal- und Delfinarten, 1625 Fisch- und 560 Korallenarten und für sechs von sieben weltweit vorkommenden Meereschildkröten. P1190730Mit der Reefworld (die weiße Plattform auf dem oberen Bild) wurde erstmals eine Möglichkeit geschaffen, direkt auf dem Riff zu übernachten. Hier ist man dem größten Aquarium der Welt am nächsten.P1190643P1190647P1190738Betrieben wird die „Reefworld“ von der Firma Cruise Whitsundays und es gibt drei Wege, sie zu erreichen. Entweder man kommt per Katamaran, mit dem Helikopter oder bei schwachem Wind per Wasserflugzeug. Die Anreise per Luft lohnt sich allemal, denn so sieht man gleich zwei weitere Hammer-Sehenswürdigkeiten von Queensland. Die Reefword liegt nämlich ganz in der Nähe vom berühmten Herz-Riff und dem Whitehaven Beach (hier ein einzelner Post dazu), der mit seinem Quarzgehalt von fast 99 Prozent zu den weißesten Stränden der Welt zählt. Und so staunt man schon beim Anflug, in was für einer Kulisse man übernachten wird.P1190773Wir reisten mit einem Wasserflugzeug ab und wurden dann mit einem Schlauchboot abgeholt. Was für ein Kontrast!P1190794P1190833Ein wenig die Plattform und die Aussicht inspizieren…P1190804Tacos…ein paar Meeresfrüchte-Tacos verdrückenP1190815…den beeindruckenden Keller anschauenDSCN1916…und ab zum Tauchen!DSCN1993DSCN2008DSCN2079SchildkröteP1190846Wer nicht tauchen oder schnorcheln möchte, fährt mit dem U-Boot etwa eine Stunde lang durch das Riff.DSCN2099P1190884P1190934Wenn der Abend einbricht, wird es auf der Plattform am schönsten. Dann sind nämlich alle Tagesausflügler weg und man hat den Ponton und den Sonnenuntergang (fast) für sich alleine. Denn nur zwölf Leute dürfen hier über Nacht bleiben. Wer glaubt, die Übernachtung auf dem kleinen Deck wäre kulinarisch eher bescheiden, wird große Augen machen. Straußensteaks, Lobster, frisch gefangener Fisch… Und das alles mitten im großen weiten Blau beim glühenden Himmel serviert. Wer braucht da noch Kerzen!P1190947P1190953Gegrillt wird noch an Deck. Dessert (Cranberry-Muffins und Bananenkuchen) gibt’s dann im Keller bei den Fischen.P1190958DSCN2032Noch was: Um auf dem Ponton bleiben zu dürfen, muss man unterschreiben, dass man nicht schlafwandelt. IMG_4237Tadaaa: Das ist das Schlafzimmer. Übernachtet wird an Deck in Swags, traditionellen australischen Ein-Mann-Zelten. Sie haben ein Netz vor den Augen – ursprünglich, damit man die Gefahr in Form von wilden Tieren nicht kommen sieht. In dem Fall eignet sich das Netz aber perfekt dafür, beim Einschlafen die Sterne anzuschauen und beim Aufwachen den Sonnenaufgang.P1190998P1200011P1200019P1200033P1200029P1190718P1200057Am nächsten Morgen ist dann leider alles vorbei (wie so oft). Ich wurde vom Helikopter abgeholt und konnte den Piloten zum Glück noch mal dazu überreden, über das Herzriff zu fliegen.P1190617P1200067P1190686Danke an Tourism Queensland für diese unvergessliche Reise!

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Dubai: Boxenstopp bei den Kamelen

In Berlin fahre ich meistens U7. In Dubai, dem Disneyland für Erwachsene, werden die Karten schnell neu gemischt. Und so stehen bei meiner Ankunft im Waldorf Astoria Dubai Palm Jumeirah direkt auf der Palme nicht einer, sondern gleich vier Lamborghinis in der Einfahrt. Ich werde sie alle schon am nächsten Morgen testen. Bye, U-Bahn!P1000305Dubai11Die exklusive Driving Experience bietet das Luxus-Hotel zusammen mit Lamborghini sonst nur seinen Stammkunden an. Ich darf ausnahmsweise mitmachen. Das Hotel hat gerade einen Award als das beste im Nahen Osten bekommen, der Lamborghini Huracán Performante wurde zum innovativsten Auto des Jahres gekürt. Preisgekrönt trifft auf preisgekrönt – das passt. Und besonders gut passt das zu Dubai.Dubai30Dubai25Dubai21Nach der Ankunft erst einmal ein bescheidenes Frühstück in der Presidential Suite, während mein Zimmer (unten) fertig gemacht wird. Gute Art, die Zeit herumzuschlagen.P1000039P1000511 (1)Oben: der große Pool für alle mit eingelassenen Rerstaurant-Inseln. Unten: der Erwachsenen Pool – mit Chillout-Beats und einer tollen Sonnenuntergangsaussicht. Hier sind keine Arschbomben erlaubt, aber damit kann ich leben.P1000232P1000275P1000278Am Abend habe ich zum ersten Mal Drei-Michelin-Sterne Küche probiert. Heinz Beck (gilt als Deutschlands bester Koch im Ausland) sorgt für “Contemporary Italian Cuisine” im Hotel-Restaurant Social. Und für ganz ungewöhnliche Geschmackserlebnisse von Gerichten, die zunächst nicht außergewöhnlich aussehen. Lobster Medallions auf Mandel-Creme war ein Mix aus typischem Hummer-Geschmack, aber mit nussig-süßlicher Note. Und die Fagottelli Carbonara sind auf der Zunge zersprungen wie überdimensionale Kaviar-Perlen.P1000063P1000284Dubai10Die Aussicht aus dem Zimmer: Palmenwedeln von The Palm, das berühmte Atlantis Hotel und die dicke Zitrone, die immer tiefer ins Meer rutschte. Waldorf Astoria - Lamborghini - Press Event Dubai 2017 - 29Am nächsten Morgen fuhr eine Lambo-Kolonne von Dubai in das Nachbarsemirat Ras Al Khaimah. In einem davon: ICH! Unter mir: 740 Pferdestärken, eine Beschleunigung von null auf hundert in 2,9 Sekunden, eine Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h. Noch nicht einmal nach einem dreifachen Espresso und einer Staffel „Stranger Things“ bin ich sonst so wach. Jedes andere Auto verschwindet in Sekundenschnelle im Rückspiegel. Irgendwann schalte ich am Lenkrad von „Strada“ (Straße) auf „Sport“ um. Der Motor brummt noch lauter. Die „Corsa“-Taste (Rennen) darf ich nicht benutzen – das habe vorher hoch und heilig versprochen.Waldorf Astoria - Lamborghini - Press Event Dubai 2017 - 56Das nächste Abenteuer lässt nicht lange auf sich warten. „Vorsicht, ein Kamel auf der rechten Seite!“, ertönt die Stimme aus meinem Walkie-Talkie. Ich traue meinen Augen kaum: Ganz gemütlich spaziert der braune Wüstenbewohner über die Schnellstraße. Am Rand stehen weitere fünf. Ich schaue auf meinen Tacho: 200 km/h. Bremspedal!DubaiAufmacherSelbstverständlich steige ich für ein Foto aus. „Da fährt man schon mal einen Rennwagen und die einzigen Zuschauer sind die lahmen Kamele“, scherze ich mit Luca. Luca war früher Rennfahrer und fährt an diesem Tag meinem Spitzen-Sportflitzer vorweg. Er war auch derjenige, der auf die Gefahr durch Kamele hingewiesen hat. Und immer wieder Radarfallen per Walkie-Talkie durchgibt. Was für ein Service! Denn Höchstgeschwindigkeit ist eigentlich 120 km/h.Waldorf Astoria - Lamborghini - Press Event Dubai 2017 - 175Waldorf Astoria - Lamborghini - Press Event Dubai 2017 - 72Dubai20 „Unterschätze die Kamele nicht“, sagt Luca. „Sie können ganz schön schnell sein, bis zu 40 km/h. Kamelrennen sind für die Einheimischen gleichzusetzen mit Formel-1-Rennen bei uns. Auf Farmen werden die Renn-Superstars gezüchtet, sind bis zur einer Million wert!“ Da ist mein Lamborghini mit 335 000 Euro quasi ein Schnäppchen.Waldorf Astoria - Lamborghini - Press Event Dubai 2017 - 67Waldorf Astoria - Lamborghini - Press Event Dubai 2017 - 97Waldorf Astoria - Lamborghini - Press Event Dubai 2017 - 48Danke an Xavier Ansart / White Cube Studios für die tollen Aufnahmen von unserer Fahrt! Waldorf Astoria - Lamborghini - Press Event Dubai 2017 - 116Nach zwei Stunden erreichen wir das Wüsten-Emirat Ras Al Khaimah und das Schwesterhotel Waldorf Astoria Ras Al Khaimah. Unsere Lambos werden davor fotogen geparkt. P1000110P1000178Erst einmal gibt es Hummus – in acht Farben und Geschmacksrichtung. In den Emiraten muss man ja immer noch einen draufsetzen und ich finde es gut. Denn ich lieeebe Hummus.P1000139P1000136Die Hotelikone wirkt wie ein Arabischer Palast. Natürlich ist das Emirat noch nicht so entwickelt wie Dubai. Allerdings ist es stark im Kommen und viele schätzen es vor allem auch wegen der langen ruhigen Sandstrände.Dubai22P1000181Zum Abschied stehen Kamelwürstchen (sorry, Kumpels!), Gazellensteaks und Ofen-Auberghinen auf dem Tisch.P1000216Auf dem Weg zurück übertönt mein Herzklopfen immer noch den Motor. Am Ende bin ich einfach nur froh, den Wagen nicht geschrottet zu haben. So kann ich mir noch ganz lange ganz viele BVG-Fahrkarten leisten. Wieder zu Hause in Berlin, erscheint mir dieser Ausflug irgendwie surreal. In Dubai, der größten Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), scheint aber alles möglich, alles so normal. Es gibt schon selbst fahrende Taxis hier – klar. Gerade werden die fliegenden entwickelt – was denn sonst!P1000366Dubai ist schlicht die Stadt der Superlative. Sie hält die meisten Rekorde in der Region: Über 100 Eintragungen in das Guinnessbuch der Rekorde sind es bereits. Mit mehr als 1,1 Mio. Quadratmetern ist die Dubai Mall das größte Einkaufszentrum der Welt. Mit AIN Dubai wird dieses Jahr das höchste Riesenrad der Welt eröffnen. XLine Dubai Marina ist die längste Stadt-Zipline weltweit. In der Dubai Mall befindet sich Candylicious, das größte Süßwarengeschäft der Welt. Und die Dubai Fountains sind das größte aufeinander abgestimmte Springbrunnensystem der Welt. Und natürlich steht in Dubai auch das höchste Gebäude der Welt, der 828 m hohe Burj Khalifa (Foto oben) – mit den meisten Etagen der Welt (160).Dubai4Atmosphere, auf der Ebene 122, ist das höchste Restaurant der Welt. Hier trinke ich einen Cocktail, aus dem so viel Nebel herauskommt, als wäre er tatsächlich aus den Wolken gegriffen.Dubai3P1000361Danach geht’s ins Karma Kafé (Fotos unten), ein Pan-Asia-Restaurant direkt mit der Aussicht auf die Fontäne. So müssen wir nicht, wie viele anderen, auf den Brücken ausharren und sehen die Show mindestens viermal während des Abendessens.Dubai2P1000427Dubai1Es gibt Miso Cod (mein Lieblingsfischgericht), Black Angus Beef Burger, sautierten Spargel und gebratenen Reis. Und natürlich Sushi als Vorspeise, das sofort weg war (deshalb kein Foto).P1000379P1000460P1000472Während man von der einen Seite vom Waldorf Astoria den Sonnenuntergang sieht, geht von der anderen die Sonne auf. Das höchste Gebäude der Welt sieht dann bloß wie eine Nadel zwischen der Skyline aus. Das segelförmige Hotel in der Mitte ist Burj al Arab (das erste Sieben-Sterne-Hotel der Welt). Verrückt, was Dubai seit der Entdeckung des Öls im Jahr 1966 alles auf die Beine gestellt hat! Davor war Perlenhandel die wichtigste Einnahmequelle – und der Grund, warum die dürre Gegend Jahrhundertelang überlebt hat.P1000508P1000495Dubai8Im Waldorf Astoria können Gäste bei der Arabian Pearl Experience (Kosten: 380 Euro) nach eigenen Muscheln tauchen und dürfen dann die gefundene Perle behalten. Die Trefferquote ist 1:5, denn es handelt sich um Zuchtperlen. Sogar ein Designer ist vor Ort, der dann daraus ein Schmuckstück kreiert – nach Wunsch auch einen Verlobungsring. Denn nur zum Juwelier gehen und einen kaufen? Das wäre in Dubai zu gewöhnlich.Dubai6Dubai5Cartier kam schon übrigens vor 100 Jahren nach Dubai, um Perlen zu kaufen. Bis zu 25-mal am Tag mussten Perlentaucher, damals ohne Ausrüstung, zum Meeresgrund – in der Hoffnung, reich zu werden. In tausend Muscheln fanden sie vielleicht eine Perle. Oben ist ein typischer Koffer, um Gewicht und Qualität der Perlen zu bestimmen.P1000312Zu der Pearl-Experience gibt es natürlich: Austern.P1000525 (1)P1000540P1000533An diesem Morgen muss ich schon wieder zum Flughafen. Und gehe nach dem Sonnenaufgang noch mal zum Wasser. Die ganze Palme leuchtet in der Morgenröte, kein Mensch ist am Strand. In diesen ruhigen Momenten wirkt Dubai wahrlich wie ein Märchen – auch ohne Motoren, ohne Michelin-Sterne, ohne Rekorde…P1000549P1000555Beim Rückflug schaue ich noch mal auf Burj Khalifa und die umliegenden Fontänen. Aus dem Flieger sieht selbst das höchste Gebäude der Welt winzig aus.

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Wunderbares Sansibar

Kaum ein Reiseziel weckt so viele Sehnsüchte und Abenteuerlust wie Sansibar. Das ist doch der Ort, wo Sinbad der Seefahrer vor Anker gegangen ist! Und wo man als nichtsahnender, semilangweiliger Tourist beim Strandspaziergang einen Flaschenpost mit Schatzkarte findet und kurz darauf in See sticht – mit einem Affen auf der Schulter und einer Flasche selbst gebranntem Kokosnussschnaps!P2170250P2180073 P2170850P2170828Offenbar nicht ganz… Während eines langes Spaziergangs gleich am ersten Sansibar-Tag, finde ich weder eine Flaschenpost noch einen Affen, sondern hauptsächlich Kokosnüsse. Die mir dann im Pool meiner Veranda mit Blick auf den Indischen Ozean besonders gut schmecken. Auch schön. Und mein ganz persönliches Abenteuer, das ahne ich am Morgen noch nicht, wird an diesem Tag nicht lange auf sich warten lassen.P2170252P2170798P2170833image33Kurz zur Einordnung: Sansibar (bestehend aus den beiden Nachbarinseln Unguja und Pemba) gehört zwar zur Republik Tansania, agiert jedoch halb autonom. Man wählt hier einen eigenen Präsidenten und schafft eigene Gesetze. 99 Prozent der Bevölkerung sind hier muslimisch (auf dem Festland nur 35 Prozent). Außerdem gehört Sansibar, anders als das Festland, zur Swahili-Kultur.P2170207image4Die meisten Touristen kommen im Anschluss an eine Tansania-Safari hierher oder schätzen Sansibar als exotischere und ursprüngliche Alternative zu den anderen Inseln im Indischen Ozean (wie den Malediven oder Mauritius). Und die Resorts sind hier tatsächlich sehr darum bemüht, die einheimische Kultur zu integrieren – wie das Boutique-Hotel Essque Zalu Zanzibar, direkt am Indischen Ozean an der nordöstlichen Küste der Hauptinsel Unguja gelegen. Hier bleibe ich auch vier Tage. Safari ist ein andermal dran.P2170858P2170861 In der ganzen Anlage spürt man den Afrika-Geist: Das Haupthaus sowie die 40 Suiten und acht Villen haben traditionelle Makuti-Dächer aus getrockneten Palmblättern, bei der Innengestaltung wurden afrikanische Stoffe verwendet. Und im Spa wird ein einzigartiges Maasai-Ritual durchgeführt – draußen, in typischen Zelten, begleitet von den Klängen der ostafrikanischen Volksgruppe Maasai (Fotos oben). Auch toll: Auf der Speisekarte der Restaurants stehen viele einheimische Gerichte. Alles andere wäre auch eine Verschwendung. Nichts gegen Steaks und Club Sandwiches, aber Sansibar gilt als DIE Gewürzinsel. Am liebsten würde ich zu Hause gleich das alles weiteressen. Und das geht sogar.P2170183Im resorteigenen Mosha-Kochstudio mit der größten Gewürzsammlung der Welt (über 500 Fläschchen) buche ich einen Kochkurs. Hier ist es also: Mein ganz persönliches Sansibar-Abenteuer. Denn es birgt deutlich mehr Gefahren in sich als eine Seereise nach einem Flaschenpost-Fund. Kochlehrerin Rose lächelt zwar immer nett, erkennt bei mir aber gleich einen höheren Betreuungsaufwand.image2P2170193Und Tadaa, in nur einer Stunde ist unser selbstgekochtes Sansibar-Menü fertig. Alle haben es überlebt, trotz meiner Beteiligung. Mein Lieblingsgericht war mit Abstand das Oktopus-Curry (links unten). Am Ende des Post schreibe ich Euch das Rezept dafür auf. Wirklich einfach nachzukochen (wenn ich das schon sage!).image44Ich musste mich allerdings nach dem anstrengenden Schnippeln etwas länger ausruhen…P2170977P2170287Abends gab es dann im Market Kitchen Restaurant die “Seafood Feast”-Platte und Ingwer-Limetten-Cocktails. Dieses Mal hatte ich nichts damit zu tun. Das wäre auch zu viel Adrenalin für einen Tag…P2170273Verantwortlich für die Gewürzexplosion auf Sansibar sind übrigens die Omaner, die einst Nelken, Muskatnuss und Zimt importierten und sie dann zum größten Exportschlager machten. Der Sultan verlegte 1840 sogar seine Hauptstadt von Muskat nach Sansibar, nachdem zuvor, im Jahr 1811, der zentrale Sklavenmarkt für Ostafrika gegründet wurde – das dunkelste Kapitel der Sansibar-Geschichte. P2170392P2170408Die Gewinne aus Gewürzexporten und Sklavenhandel machten aus der Altstadt, die bis dahin nur aus Hütten bestand, das prachtvolle Stone Town mit den wohl eindrucksvollsten Holztüren der Welt. Der Sultan ließ an der Uferpromenade auch das damals modernste Gebäude Ostafrikas errichten, mit Strom und einem elektrischen Fahrstuhl. Das House of Wonders ist noch heute ein Touristenmagnet, genauso wie das Geburtshaus von Freddie Mercury, der hier am 5. September 1946 unter dem Namen Farrokh Bulsara auf die Welt kam. image21P2170398Ansonsten: Einfach durch die Gässchen laufen, die Kunst und die Türen bewundern und unbedingt in einem der vielen kunstvoll verzierten Dachterrassen einen Kaffee trinken.image22P2170366P2170450image23P2170428P2170299Ohne einen Gewürzfarm-Besuch war man nicht auf Sansibar. Denn obwohl man viele der Gewürze in getrockneter Form kennt, ist man dann doch überrascht zu sehen, wie sie wachsen. Der Nelkenbaum hat z.B. rote Früchte, Ingwerblätter sehen aus wie Bambus, Sternfrucht wächst aus kleinen pinken Blumen, Vanillepflanzen schlängeln sich den Baum hoch und Zimt ist eigentlich eine Baumrinde. Irgendwann rieche ich – ähnlich wie nach einer Stunde Douglas-Besuch in der Vorweihnachtszeit – gar nichts mehr.P2170312P2170306Am meisten überrascht hat mich allerdings die Muskatnuss. Sie wächst in einer Frucht, die von außen wie eine Aprikose aussieht.P2170597image3Mein Frühstück jeden Tag: Bohnen mit Kokosmilch und Samosa im Market Kitchen Restaurant. Dafür gab es leider keinen Kochkurs. Also musste ich zu Hause wieder auf Wurststullen umsteigen.P2180082Am letzten Tag meiner Reise habe ich mich mit Nachdruck geweigert, einen bestimmten Ort im Essque Zalu zu verlassen: und zwar den hoteleigenen Holzsteg, der 200 Meter in den türkisfarbenen Ozean hineinragt. Die Plattform ist der einzige Ort auf ganz Sansibar, von dem aus man sowohl den Sonnenauf- als auch den Sonnenuntergang beobachten kann. Warum sollte man daher weg?image25P2170611P2170641image32P2170665P2170737P2170731Am Ende des Stegs befindet sich das Jetty-Restaurant, Liegen und… P2170698P2170732P2170716… natürlich eine Bar vor der wohl schönsten Kulisse überhaupt.P2170733image43P2170781Eine Treppe am Ende des Stegs führt direkt zum Unterwasserparadies des Indischen Ozeans hinunter. Besonders schön wird es während der Ebbe, wenn das Meer den Blick auf den Meeresboden freilegt und der Kellner den Blick auf den Flaschenboden.P2170794P2170909Sieht man auf Sansibar überall: die traditionellen Holz-Segelschiffe, die Daus.P2170813P2180016Am Abend habe ich meinen Lieblingsort dann doch für eine Stunde verlassen – um mit einem Dau in das Nachtlila zu segeln. Dann aber schnell wieder zurück zu meinem geliebten Steg. image45Denn es gab Cocktails (der linke heißt “Pornstar Martini”, sehr zu empfehlen)… P2180029P2170518image51…und Sushi und Sashimi, das auf einem Boot direkt aus dem frischen Fisch herausgeschnitten wurde. Wellenrauschen dazu. Ganz schön wunderbar, dieses Sansibar! Auch wenn Sinbad nie aufgetaucht ist.image53Und das braucht Ihr für das Oktopus-Curry: 200 g gekochten Oktopus (etwa 30 min kochen, bis das Fleisch weich wird), 1 EL gehackte Zwiebeln, 1 EL gehackten Knoblauch, 1 EL Curry-Pulver, 1/2 TL Kurkuma (gemahlen), 4 EL gewürfelte Tomaten, 250 ml Kokosmilch, 2 EL Öl, Salz, Pfeffer. So geht’s: Zwiebeln und Knoblauch in Öl andünsten, Gewürze hinzufügen und weiter kurz zusammen andünsten. Tomaten, Oktopus-Stückchen und Kokosmilch dazugeben, bei schwacher Hitze 10 bis 15 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken!

Hier ein paar nützliche Infos für die Sansibar-Reise:

Flug: Mit Ethiopian Airlines nach Sansibar ab 743 Euro/hin und zurück. Einreise: Ein Visum kann bei der Ankunft am Flughafen erworben werden (50 US-Dollar). Gelbfieber-Impfung ist vorgeschrieben. Auf keinen Fall den Impfpass vergessen, sonst kommt man nicht rein. Zeitverschiebung: Während der Winterzeit plus zwei, während der Sommerzeit plus eine Stunde. Währung: 1 Euro = 2652 Tansania-Schilling. Übernachten: Boutique-Hotel Essque Zalu Zanzibar ab 180 Euro p. P. inkl. Halbpension. Reisezeit: Es gibt eine kleine Regenzeit von November bis Dezember und eine große von März bis Mai. Die Wassertemperaturen fallen nie unter 25 Grad.

Calafate

Patagonien: Ab in den Schnee-Süden

“Da brechen sie ein Stück vom Gletscher ab und tun es in dein Whisky-Glas, während du über knackendes Eis läufst.” Ich weiß nicht, ob es diese einprägende Schilderung einer Freundin war oder einfach mal die Lust, einen etwas anderen Urlaub zu machen, die mich nach Patagonien trieb. Im deutschen Hochsommer und im tiefsten argentinischen Winter. So weit in den Süden, dass es schon wieder kalt wurde.P2040468 P2040518 “Willkommen am Ende der Welt”, steht auf einem Hinweisschild am Flughafen von Calafate, als wir aus dem Flugzeug steigen. Auf der Karte ist er knapp über dem südlichsten Zipfel Argentiniens mit dickem roten Punkt markiert. Welthauptstadt der Gletscher nennt man diesen im Laufe der letzten zehn Jahre von rund 6400 auf 20 000 Einwohner angewachsenen Touristenort am Lago Argentino im Süden Patagoniens.P2040522 Hauptgrund für den Boom war der Bau des Flughafens. Er ermöglichte einen viel schnelleren Zugang zu den berühmten Gletschern der Region, sie heißen Upsala, Perito Moreno und Spegazzini. “Minus elf heute”, sagt der Pilot, während er mit seiner dicken Winterjacke an uns vorbeigeht. Für manchen mag diese Bemerkung das Ende der Welt bedeuten. Nicht für meine beste Freundin Caro und mich – wir sind stolz, in diesem Sommer nicht an einem überfüllten europäischen Strand zu liegen. Nein, wir bezwingen den Gletscher, gefährliche Tiere und trinken dabei Whisky – so kalt wie noch nie. P2060685P2060225“Welche Whisky-Tour?”, fragt uns der Mann an der Rezeption. “Ah, die Gletscherwanderung? Nee, die gibt’s gerade nicht. Der Gletscher ist gesperrt, ist zu viel Schnee gefallen.” Schweigen. “Und gefährliche Tiere?”, haken wir nach. “Na ja, es gibt viele Hunde. Und ihr könnt reiten gehen …” Frustriert ziehen Caro und ich in unser Häuschen und gehen zum Lago Argentino spazieren…P2040643P2040681P2040702…um zu sehen, dass alles halb so schlimm. Der verschneite See wirkt wie aus einem Märchen gefallen. Die weißen Wolken hängen unter den mit Schnee bedeckten Bergzipfeln und über den mindestens genauso weißen Pferden, pinke Flamingos steigen vom Eisspiegel des größten Sees des Landes hoch. P1020392P1020403P1020433P2060224Und als wir zurück zum Hotel kommen (mit einer Flasche argentinischen Rotwein im Gepäck, versteht sich), warten schon unsere Hunde auf uns. Die wir dann trotz Verbote der Rezeptionisten mit ins Bett nehmen. Wir haben ja nicht umsonst unser eigenes Häuschen gebucht. Wir waren übrigens im Hotel Blanca Patagonia Hostería Boutique Hotel y Cabañas – zwar nicht besonders zentral, aber günstig und mit tollem Blick.P2060240P1020472Um halb sieben klingelt am nächsten Morgen der Wecker. Man kann zwar nicht auf den Gletscher, aber zumindest direkt davor. Unsere Tour (ca. 60 Euro von allen Hotels buchbar) startet bald, es ist noch ganz dunkel. Ich versuche, meinen Fuß in die von Oma gestrickte Wollsocke zu quetschen, um dann, noch auf einem Bein springend, den Skianzug von der Heizung zu holen. Wessen Idee war das das eigentlich mit Patagonien im Sommer? Wir checken noch neidisch ein paar Bikini-Badeseefotos unserer Freunde aus Deutschland, dann fahren wir los.P1020732Nach über einer Stunde Fahrt von Calafate erreichen wir den 80 Kilometer entfernten Nationalpark Los Glaciares. Zunächst fahren wir mit einem Schiff an den Gletscher ziemlich nah heran. Das war der erste Gletscher, den ich je gesehen. Diese Erfahrung war sogar schöner als meine erste Pizza.P1020742P1020767P1020948P1020946P1030134Halbe Stunde später sind wir runter vom Boot. Und nach weiteren 20 Minuten Autofahrt stehen Caro und ich endlich vor dem Perito Moreno, dem wohl berühmtesten Gletscher der Welt. Von der Unesco 1981 als Teil des Nationalparks zum Weltnaturerbe erklärt, zwängt er sich auf über 30 Kilometern Länge durch die Schluchten der Anden.CalafateSeine Zipfel erinnern an eine sehr sehr große Baiser-Torte. Die Gletscherfront ist eine siebzig Meter hohe, unfassbare Eiswand, die in den Lago Argentino ragt. Wir stehen ameisenklein auf der Aussichtsplattform und sind für einige Minuten einfach nur sprachlos.P1030117P2050088Immer wieder ertönt etwas, das wie ein Schuss klingt, wir ducken uns aus Reflex. Dann sehen wir, wie ein Riesenblock Eis in das türkisfarbene Wasser stürzt. Perito Moreno ist ein Naturwunder, denn während fast überall auf der Welt die Gletscher schmelzen, wird dieser hier nicht kleiner. Er bewegt sich immer nur so viel nach vorne und bricht so viel ab, wie er hinten ‘nachwächst’. Aktuell sind es etwa 70 Zentimeter pro Tag. P2050128P2050130Wir laufen durch das Netz von Aussichtsplattformen, von jedem Winkel zeigt der Gletscher andere Baiser-Muster. Ab und zu kommt wieder ein Schuss. Ich könnte Stunden hier bleiben. Auf der einen Seite ist es natürlich schade, dass wir nicht auf den Gletscher rauf können – wie zur Hauptsaison in unserem Winter und im argentinischen Sommer. Auf der anderen Seite soll es zu dieser Zeit sehr windig sein und das Wasser nicht so klar. Alles hat also seine Vorteile.P2050373P2050291P1030363Eine Spezialität der Region ist Lamm, gegrillt am offenen Feuer. Schmeckt unglaublich zart, aber eine Portion reicht für zwei. Und das sage ich als ambitionierte Esserin. Wir waren im Parilla Don Pichon, es war einfach am besten bewerten und ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo besser schmeckt.P1030345P2050529P1030361Und wer hätte das gedacht: Es gibt sogar patagonischen Wein vom Ende der Welt.P2040773Neuer Tag, neuer Ausflug. Dieses Mal geht es nicht zu Gletschern (zumindest nicht vorrangig), sondern auf eine Schiffsfahrt durch die Eisberge.P2050596Und wieder mitten in der Nacht aufstehen und gute Laune simulieren.P2050717Zum Glück wurde es schnell besser – nämlich mit dem ersten Eisberg. Die Sonne hat uns zwar an diesem Tag verlassen, aber die Eisberge wirken sowieso viel blauer und somit schöner, wenn es bewölkt ist (bei zu viel Licht sind sie einfach nur weiß). Sie verändern ihre Form täglich. Es war wie eine Fahrt durch eine vereiste Skulpturengalerie.P2050834P2050726P2050840P2050879P2050856Dieses Foto hat zwar nicht wirklich geklappt, aber angesteckt von den ganzen Asiaten und von Kate&Leo mussten wir es auch einfach mal versuchen…P2050882P2050896P2060036P2060129P2060162P2060286So kuschelig und gemütlich wir es auch hatten: Irgendwie wurde auf unserer ganzen dreiwöchigen Argentinien-Reise ständig jemand krank. Und alle Flüge und Ausflüge waren im Voraus bezahlt. Da habe ich zum ersten Mal über eine Reiseabbruchversicherung nachgedacht. Daran merke ich, dass ich entweder erwachsen werde oder eindeutig zu viel Spaß habe auf Reisen. Später habe ich eine gefunden, die genau passt: Reiseabbruchversicherung von Allianz Reiseversicherung (internationaler Marktführer) unterscheidet nämlich nicht zwischen privat unternommenen Urlaubsreise oder Geschäftsreisen – meistens endet ja genau an diesem Punkt der Reiseschutz. Sie ersetzt bei einem versicherten Reiseabbruch (z.b. schwere Erkrankung oder Unfallverletzung, Schaden am Eigentum, unerwartete Kündigung oder Jobwechsel) die Rückreisekosten wie neue Flüge, Shuttlebusse, zusätzliche Hotelkosten. Darüber hinaus wird der anteilige Reisepreis nicht genutzter Leistungen erstatten, z.B. im Voraus bezahlte Übernachtungskosten, Touren und sogar Spabehandlungen. So schläft es sich doch gleich viel ruhiger…P2060394Am letzten Tag der Reise sitzen wir dann doch noch auf einem Pferd am Ende der Welt. Zwei Stunden reiten wir durch die unwirkliche Landschaft um Calafate. Caro liebt Pferde, ich komme nur mit, um Angeberfotos zu machen. Und weil die Bars noch zu sind.P2060411P2060420P2060497P2060555P2060640P2060644Am Ende des Ausritts hat uns unser Gaucho (nach seiner Aussage, der letzte echte Argentiniens. Wo anders wären Gauchos keine echten Männer mehr, sondern nur noch eine Touristenattraktion) auf einen Tee in seine Hütte eingeladen. Top-Sehenswürdigkeit von Calafate, gleich hinter dem Perito Moreno.P2060657P2060655Also tranken wir Mate statt wie geplant Whisky mit Eiswürfeln – schmeckt auch, vor allem mit einem Kuss von dem einzig wahren Gaucho. So schlimm ist der argentinische Winter doch gar nicht…

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Lieblingsplätze auf Mallorca

Nach Mallorca kann man gar nicht oft genug fliegen. Das Gute an der größten Balearen-Insel (wenn man erstmal den Flug mit Junggesellenabschieden überstanden hat): Irgendwann hat hier jeder seine Lieblinge gefunden. Hier sind meine:

KUNSTSTÄDTCHEN DEIÀMallorcaDeia5Das 650-Einwohner Dorf Deià wurde schon Anfang des letzen Jahrhunderts berühmt, als Künstler und Schauspieler wie Peter Ustinov, Ava Gardner und Pablo Picasso sich im kleinen Ort niederließen. Motive genug bietet das oft so mystisch wolkenumschlungene Deià ja und so findet man hier noch heute die größte Galleriendichte der Insel.MallorcaDeia2MallorcaDeia4P1710367Mein Lieblingskünstler ist Arturo Rhodes. Für sein aktuelles Projekt kombiniert der ehemalige Illustrator der „New York Times“ moderne Konsumsymbole mit den Kunstklassikern – so malt er z.B. “Das Mädchen mit dem Perlenohrring” von Vermeer vor einem Mac oder das Selbstportrait von Van Gogh mit einer Pilotenbrille. Auf einer Wand in seiner Küche hängt ein großes Gemälde mit 50 Teebeuteln: „Fifty Shades of Earl Grey“.P1710341P1710396DER POOL VON LA RESIDENCIA UND DAS EL OLIVO RESTAURANT MallorcaLaResidencia3Mit den Künstlern und den immer besser werdenden Unterkünften kamen irgendwann auch die Promis nach Deià. Lady Diana, Bruce Willis und Kate Moss übernachteten bereits im legendären Belmond La Residencia, dem ersten Luxus-Fincahotel auf Mallorca. Als der deutsche Architekt Axel Ball aus den beiden Herrenhäusern Son Moragues und Son Canals 1984 das Hotel machte, glaubte noch keiner an den Erfolg. Schließlich waren es zu der Zeit überwiegend Hochhaus-Unterkünfte direkt am Strand, denen die große Zukunft prophezeit wurde.MallorcaDeia7P1700866Eine Übernachtung kostet natürlich auch ordentlich. Was man aber machen kann, ist sich auf der Terrasse des El Olivo Restaurants eine Paella schmecken zu lassen. Oder eine frische Zitronenlimonade am Pool. Den Ausblick vergisst man nicht so schnell wieder.P1710971MallorcaLimon MallorcaLaResidenciaBUCHT CALA DEIÀP1710753Wenn man schon in Deià ist, sollte man sich unbedingt 15 Minuten Zeit nehmen, um zur Cala de Deià zu wandern. Diese kleine etwas versteckt gelegene Bucht wird vor allem von Booten für ein Mittagessen angefahren. Ein klassischer Traumstrand ist es zwar nicht, aber die Bucht verprüht einen gewissen “Flinstone”-Charme: Man breitet seine Tücher einfach auf der Bootsrampe aus oder klettert direkt vom Wasser aus in das aus Holz zusammengetackerte Restaurant auf einen gegrillten Tintenfisch und Pommes. Und mitten in der Bucht gibt es einen Stein zum Runterspringen und Angeben! MallorcaBucht2P1700055P1710849P1710830P1710794 BAR ABACOMallorcaBarAbaco2Diese Bar ist keine Fotomontage, es gibt sie wirklich! Das Abaco (Carre Sant Joan 1) in der Hauptstadt Palma wird regelmäßig als die schönste Bar Europas ausgezeichnet. Sie wurde 1981 im Lonja-Viertel in der Altstadt eröffnet – in Räumlichkeiten eines alten Adelspalastes aus dem 17. Jahrhundert. Und wird täglich mit riesigen (wirklich riesigen!) Blumenarrangements und Obstkörben geschmückt – als sei die Zeit seitdem stehengeblieben. Das Obst wird dann zu Cocktails verarbeitet, draußen auf der Terrasse zwitschern Papageien und jeden Freitag regnet es rote Rosenblüten von der barocken Decke. Muss man da noch etwas hinzufügen?P1720897MallorcaBarAbacoKATHEDRALE VON PALMA AUS DER ANDEREN PERSPEKTIVEMallorcaPalma3Architekten wie Antonì Gaudí und Lluís Domènech machten die Hauptstadt Palma de Mallorca zu einem Mini-Barcelona. So verwinkelt die Straßen auch sind: Keiner kommt an der Kathedrale der Heiligen Maria vorbei (im Volksmund wird sie oft einfach La Seu genannt, das bedeutet aus dem Katalanischen übersetzt “der Bischofssitz”). Die Kathedrale ist ziemlich überlaufen und hat mich noch nie besonders fasziniert. Bis ich sie vom Wasser aus gesehen habe. Mit einem Boot, zwei guten Freundinnen und drei Cava-Gläsern. Auf Mallorca muss man manchmal einfach nur die Perspektive wechseln. MallorcaPalma4image2-26image3-19image1-44PURO BEACH VOR DEM ABFLUGP1720071Wenn der Rückflug nach Deutschland erst nachmittags oder abends geht, ist Puro Beach eine super Variante, die Sonne noch bis zur letzten Sekunde auszukosten. Der Beachclub befindet sich nämlich nur 5 Kilometer (8 Minuten mit dem Taxi) vom Palma Airport entfernt und es gibt Umkleiden und einen Aufbewahrungsraum für die Koffer. Das Sonnenbett kostet ca. 40 Euro pro Tag, darin sind dann ein Handtuch, Wasser und Obst enthalten. Und wenn man dann noch kurzfristig beschließt, seinen Flug zu verpassen: Abends geht´s hier weiter mit DJ, Dinner und Tanzen. Es hat übrigens gerade ein zweites Puro Beach auf Mallorca aufgemacht, das ich noch nicht ausprobiert habe. Siehe da: Ich muss ganz schnell wieder hin und meine Liste überarbeiten!P1720699P1720692P1720715P1720798P1720726Günstige Reisen nach Mallorca gibt es bei Alltours. Und zwar mit Hotels an knapp 30 verschiedenen Orten (z.B. in Alcudia, Porto Cristo, Sóller, Port d´Andratx). Da wird wohl jeder etwas finden!

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Stopover in Singapur

Früher oder später landet jeder auf seinem Weg nach Südostasien mal in Singapur. Dann nichts wie aussteigen und mindestens zwei Tage bleiben. Denn zu sehen gibt es genug. Fangen wir doch mal mit der – meiner Meinung nach – spektakulärsten Sehenswürdigkeit von Singapur an: Gardens by the Bay. P1200497P1200426P1200579Die gigantische botanische Anlage mit zwei riesigen Gewächshäusern (Flower Dome und Cloud Forest) ist vor allem wegen ihrer 18 bis 50 Meter hohen, künstichen Supertrees berühmt. Die Stahlbäume sind tagsüber eben Bäume aus Stahl. Jeden Abend aber, immer um 19.45 und 20.45 Uhr, findet die kostenlose Licht- und Musikshow “Garden Rhapsody” statt (leider ohne Rap), bei der die Supertrees in allem Farben funkeln. Und plötzlich hat man das Gefühl, dass so ein Stahlbaum nicht schöner sein könnte… Im Hintergrund stets das spektakuläre Hotel Marina Bay Sands: Drei Türme, verbunden durch ein flaches Dach, auf dem sich der wohl berühmteste Pool der Welt befindet (dazu weiter unten).P1200555P1200402P1200741Eine tolle Aussicht auf das Marina Bay Sands und das dazugehörige ArtScience Museum in Lotus-Form hat man von der verdrehten Helix-Brücke. Die Brücke hat an vier fotogenen Stellen Aussichtsplattformen. Und ist in der Nacht natürlich… hübsch beleuchtet. P1400884Der Stadtstaat Singapur ist überall auf der Welt für seine strengen Gesetze und Strafen bekannt und wird auch die “Schweiz Asiens” genannt. Auch wenn es mir wirklich schwer fiel, kein Kaugummi zu kauen, bin ich nicht sonderlich negativ aufgefallen. Und spätestens als ich ein paar Zigarettenstengel auf dem Boden gesehen haben (neben einem Mülleimer, Skandal!) und von einer Verkäuferin angepampt wurde, habe ich mich endgültig so wohl wie in Berlin gefühlt. Also entspannt euch, hier leben auch nur Menschen! Falls es dann doch schiefgeht, die Rechnungen bitte nicht an mich… P1400508P1190947Die Promenade Clarke Quay liegt am Ufer des Singapore Rivers. Bekannt ist sie für die vielen bunt angestrahlten Restaurants, die über dem Wasser zu schweben scheinen. Hier ist man die Spezialität Chili Crab. Allerdings sollte man dabei beachten, dass der Preis oft per 100 Gramm angegeben wird. Mit Schale gewogen, kommt so eine Krabbe nicht selten auf über ein Kilo und ca. 80 Euro. Eine Alternative zu den Restaurants ist eine Bootsfahrt bei einem kühlen Tiger Beer. P1190941image1-21Nur 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegt die kleine Insel Sentosa vor der Küste Singapurs. Sie ist vor allem bei Familien für Ausflüge beliebt: Es gibt mehrere Strände, einen Butterfly Park, Universal Studios, viele US-Kettenrestaurants und das größte Aquarium der Welt: das S.E.A. Aquarium. Im Aquarium kriegt man auch als Erwachsener seinen Mund kaum zu.image4-1 Die Anreise erfolgt mit der MRT bis zur Station Harbour Front Centre. Von dort aus entweder weiter mit dem Sentosa-Express oder zu Fuß über die Brücke zur Insel. Hat man aber wenig Zeit und wenig bis keine Kinder, würde ich eher einen Spaziergang durch die verschiedenen Viertel Singapurs empfehlen. Das ist eher eine Besonderheit, die man kaum irgendwo auf der Welt findet als die 100. Ben & Jerry’s Filiale eures Lebens.P1200146Singapur ist eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde: Auf jeden Quadratkilometer Fläche kommen 7615 Einwohner (in Berlin sind es z.B. 3887). Von den 5,4 Mio. Einwohnern sind 3,3 Mio. Staatsbürger und 1,6 Mio. Gastarbeiter. 74 Prozent der Staatsbürger sind Chinesen, 13 Prozent Malaien, neun Prozent Inder. Und so hat jeder natürlich sein Viertel. P1400653Besonders schön ist das historische Viertel rund um die Arab Street. Man kann hier aber Stunden verbringen, ohne den Geheimtipp der Gegend zu erahnen: die winzige Haji Lane. Hier ist Graffiti (oder nennen wir es lieber: Wandbemalungen) offiziell erlaubt. Und abends, wenn alle Bars und Cafés aufmachen, wird es besonders laut und nett. Fast so laut, dass man sich gar nicht mehr wie in Singapur fühlt. P1200147P1200090Die Bewohner der kleinen Gässchen im muslimischen Viertel Kampong Glam haben aus der einst so verschlafenen Hood eine Trendadresse gemacht. Hier hängt man in den Showrooms junger Mode-Labels und kleinen Kunstgalerien ab. Aber auch in Café-Läden, in denen man seinen Kaffee mit dem eigenen Selfie bedrucken lassen kann. Da wird man ja doppelt wach.P1200072P1200197Rund um die Arab Street wird es dann traditioneller – mit einer Moschee, vielen Tee- und Lampenläden. P1200170P1200250P1200270P1200279Von der Arab Street ist man mit einem Taxi in fünf Minuten in Little India – und wie in einer anderen Welt. Gute Anlaufstelle ist das verschachtelte Shoppingkomplex an der Serangoon Road. Im faszinierenden Gewirr von Händlern gibt es hier auch einen typischen Wet Market mit Lebensmitteln aller Art. Sonst findet man in diesem Viertel natürlich Tempel, Saris, Goldschmuck größer als Beyoncé je tragen könnte, Blumenketten und exotisches Gemüse. Und klar: Ganz günstiges Curry. P1200263P1200302P1200300P1200317P1200052P1200049Mein Hoteltipp für Singapur ist das fancy Holiday Inn Singapore Orchard City Center. Es ist günstig (150 Euro/DZ), schick, mit einer tollen Bar und liegt direkt an der Orchard Road, der größten Einkaufsstraße der Stadt.P1200774Am Abend sind die Bars im Swissotel eine tolle Adresse für eine spektakuläre Aussicht. Zum Beispiel das komplett verglaste City Space (zählt zu den 50 besten Bars der Welt). Von allen Drinks in Singapur waren die hier wirklich die besten. Also super für ein Date oder einen Business-Drink oder auch für alles dazwischen.P1200338P1200266Mein Lieblingsviertel in Singapur war aber das China Town. Es liegt sehr zentral und insofern nicht mit anderen China Towns zu vergleichen, als es sehr saniert, hip und modern ist. Und weniger traditionell chinesisch. Die Hotels und Restaurants hier gelten als feine Adresse und Cafés haben Zuckerwatte auf dem Matcha Latte – das sagt alles.P1200361P1200360P1200367P1200374P1200915Die günstigste und beliebteste Art in Singapur zu essen, sind Hawker Centres. Es sind eine Ansammlung früherer Straßenverkäufer, die von der Regierung in geschlossene Komplexe gelenkt wurden, um so die Hygiene und die Qualität zu verbessern. Wir freuen uns jedenfalls über die kurzen Wege zwischen den Garküchen.P1200906Mein Lieblings-Center ist die gusseiserne Foodhalle Lau Pa Sat (im Financial District, in der Nähe des Singapore Rivers) – das letzte im viktorianischen Stil erbaute Gebäude der Stadt. P1200869P1200897Hier könnte man sich den ganzen Tag durchessen, am besten schmeckt aber die traditionelle Nudelsuppe Laksa aus scharfer Curry-Kokosmilch-Brühe mit Eiern, Nudeln und Krabben. Für ca. drei Euro, wie fast alles hier.P1200965Voilà, der wohl berühmteste Pool der Welt. Er liegt auf 191 Metern im 51. Stockwerk des Marina Bay Sands Hotels. Mit 176 Metern ist er der längste Infinity-Pool der Welt. Und ich würde wetten, die meisten mieten sich nur in dem Hotel ein, um ein Foto in diesem Pool zu machen (der für Nicht-Hotelgäste nicht zugänglich ist).P1200979Aaaber: Auf dem gleichen Level befindet sich das CÉ LA VI Restaurant and SkyBar. Reserviert doch einfach dort einen Tisch und ihr habt dieselbe Aussicht wie vom Pool – ohne nass zu werden.P1210045Eine weitere Möglichkeit für die spektakuläre Aussicht ist das SkyPark Observation Deck, eine hängende Aussichtsplattform – ebenfalls auf dem Dach des Marina Bay Sands. Da sie sich genau auf der anderen Seite des Pools befindet, sieht man ihn nur aus dem Augenwinkel. Dafür ist die Sicht auf die Skyline von Singapur für mich die schönste der Stadt. P1210084P1210048Und von hier sieht man noch mal die Gardens by The Bay und die Supertrees von oben.P1210088P1210104P1210136Jeden Abend um 20 und 21.30 Uhr bietet das Marina Bay Sands Hotel eine 13-minütige Lichtshow in der Bucht zwischen Merlion Park / Fullerton Road und Event Plaza. Am Freitag und Samstag gibt es noch eine Zusatzshow um 23 Uhr. Entweder schaut man sie von der Aussichtsplattform des Hotels an oder eben von unten aus der Bucht. Dann werden die Lichter auf das Hotel projeziert – beides schön.P11909751819 wurde Singapur von Sir Thomas Stamford Raffles als Handelsposten der East India Company errichtet. Das Raffles Hotel Singapore ist aber wegen eines anderen historischen Ereignisses eine beliebte Anlaufstelle: 1915 soll an seiner Long Bar (Foto oben) der Singapore Sling erfunden worden sein.P1200006Über die Großartigkeiten von diesem süffigen Punch aus Gin, Kirschlikör und Bénédictine für über 20 Euro lässt sich streiten. Weswegen sich der Besuch in der ziemlich touristischen Bar aber wirklich lohnt: Es ist der einzige Ort in Singapur, an dem man Müll auf den Boden schmeißen darf – ganz legal. Und zwar die Schalen der Erdnüsse, die in einem Säckchen immer auf den Tischen stehen. Und da lacht wieder mein Berliner Herz!P1190982P1190987P1190999Übrigens: Singapore Airlines serviert den Sling immer als Signature Cocktail an Bord umsonst. Cheers to that!

HardRockTitel

Neueröffnung: Hard Rock Hotel Tenerife

Vor zwei Wochen eröffnete auf der Kanareninsel Teneriffa das nach Ibiza zweite Hard Rock Hotel Europas und ich war mehr als froh, dabei sein zu können. Erstens war ich noch nie auf Teneriffa, zweitens freut man sich im Dezember über jeden Sonnenstrahl und drittens schlafe ich gerne bis Mittags in einem Bett voller Playmates und schüttele mir dann Gin in den schwarzen Kaffee – eine gewisse Qualifikation als Rockstar war also schon vorhanden. Und es musste kommen, wie es kommen musste: Ich war bei dieser Eröffnungsparty genau richtig. Ganz so wild wie man denkt, geht es aber trotzdem nicht zu. Aber schaut selbst:P1110863image2-20Das Hard Rock Hotel Tenerife, in Europa geführt von der Palladium Hotel Group, liegt in der Nähe von Adeje an der sonnigen Südküste der Insel. Hier regnet es nur an 16 Tagen im Jahr. Yeah!image1-32P1110813P1110796Ich wusste nicht so recht, was ich von dem Hotel erwarten soll. Mit 207 Locations in 73 Ländern (172 Cafés, 24 Hotels und 11 Casinos) gehört Hard Rock International zwar zu den weltweit bekanntesten Marken, in Deutschland kennt man aber meist nur die Cafés. Und die sind ja ziemlich dunkel, laut und cholesterinlastig. Finde ich alles super, aber das eine Woche lang als Strandurlaub? Ich war also überrascht zu sehen, dass die Hotels einen ganz anderen Style haben – viel heller, sexier und Ibiziger. Oder Miamiger. Wenn man zur Begrüßung an der Lobby schon den ersten Drink bekommt, erfindet man eben solche Wörter…image1-31image2-17image2-18Die Salzwasserlagune mit einem Beach Club und Strandzugang ist nur einer der vier Hotelpools. In der Mitte legt ein DJ auf, ihm kann man immer schön zuzwinkern jedes Mal, wenn man vorbeischwimmt…image1-33image4-8Seit ich in Barcelona gelebt habe, fühlt sich Spanien für mich immer wie ein zweites Zuhause an. Manchmal traue ich mich schon gar nicht mehr hinzufliegen, weil ich weiß, dass eines Tages der Moment kommen wird, an dem ich mich vor dem Rückflug auf einer Flughafentoilette einschließe. Zu meiner Spanienliebe tragen viele Dinge bei – es würde jetzt zu lange dauern. Eines davon aber: Pulpo a la Plancha. image3-12P1110871P1110894P1120316Das Hotel hat 624 Zimmer und besteht aus zwei Türmen: Oasis und Nirvana. Oasis ist der ruhigere Turm, Nirvana ist mehr Haligali und auf dem Dach befindet sich die Rooftop-Bar 16th. P1120301In der Lobby hängt ein Bild von Katy Perry mit einem zehn Jahre alten Brief von ihr an ihre Sommerliebe. Sehr süß. Hoffentlich hat der Trottel geantwortet.image4-11P1110902Die Bar 16th ist übrgens super zum Sonnenuntergang. Von da oben sieht man La Gomera (der kleine Hügel rechts auf dem Foto).image5-2P1120282Das Hard Rock International besitzt 80 000 musikalische Erinnerungsstücke – die weltweit größte und wertvollste Sammlung. Etwa 80 davon hängen hier auf Teneriffa. Die Wand vor den Aufzügen zum Beispiel ziert ein Lederbikini von Lady Gaga, den sie bei einem Konzert trug. Daneben eine Fotoserie der Beatles. Sie urlaubten im letzten Sommer, bevor sie berühmt wurden, auf Teneriffa. Und durften damals nicht in einer lokalen Kneipe auftreten. Pech für die lokale Kneipe.P1120273P1120325P1120085Eine halbe Stunde Autofahrt vom Hotel liegt der erloschene Vulkan Chinyero (Ausflüge dahin gibt es z.B. mit Diga Sports). Eine Wanderung unter Schatten spendenden Kanarischen Kiefern mit Blick auf den Pico del Teide, den höchsten Berg Spaniens, erwies sich als eine empfehlenswerte Hangover-Medizin.P1120112P1120117P1110944Was sich auch lohnt, ist ein Abstecher nach Santa Cruz de Tenerife (Inselhauptstadt) in die Galerie Circulo de Bellas Artes. Sie bietet auf fünf Etagen auch weniger bekannten Künstlern eine Plattform, hat einen Theater und eine Dachterrasse in Miami-Farben. Und sie ist ein kunsthistorisch wichtiger Ort. Denn hier hatten die später weltbekannten Surrealisten Breton, Dalí, Picasso und Domínguez ihre erste Ausstellung. Und verkauften nichts. Damals transportierten sie ihre Bilder von Paris mit Containerschiffen – in Bananenkisten!image3-13P1110937P1110952P1110933P1110998Jetzt kommen wir endlich zum Essen. Mein Lieblingsrestaurant im Hard Rock Hotel war das spanische Ali-Olé mit sich drehenden Lampen… P1110926…und natürlich das asiatische Narumi mit viel frischem Fisch…P1120233…und dann noch das Sessions mit riesigen Buffets. Ach, die alle eben.P1110928Hatte ich schon das Steakhaus Montauk erwähnt?image6Fake it until you make it. Ich kann eigentlich gar nicht auf diesen Schuhen laufen…P1120016P1120019Hard Rock Hotel heißt übrigens nicht, dass den ganzen Tag harter Rock läuft, sondern lediglich, dass sich hier wirklich vieles um Musik dreht. Natürlich gibt es auch Ruhebereiche, ein Rock-Spa, Spielplätze für Kinder. Trotzdem bekommt man vom Zimmerservice auf Wunsch eine Gitarre und ein DJ-Pult geliefert, es lassen sich individuelle Playlists zusammenstellen. Man kann also ein Rockstar sein, muss es aber nicht. Und: Jedes Hotel hat einen Vibe-Manager (beste Job-Bezeichnung ever), der den individuellen Sound für das jeweilige Haus zusammenstellt. Denn auf Teneriffa wird andere Musik gespielt als z.B. in Palm Springs oder in Cancún. Über diesen Spiegel reden wir jetzt nicht…P1120161P1120176P1120169An dem großen Lagunenpool werden regelmäßig Konzerte veranstaltet, einmal im Monat steigt die legendäre „Children of the 80’s Party“ (für Hausgäste umsonst). Zu der großen Eröffnungsparty kamer 80er-Ikonen wie Village People, Rozalla, C+C Music Factory und Black Box. P1120172Die Ruhe vor dem Sturm…P1120208P1120182P1120257Auf der Freiluftbühne wurden ein paar Gitarren gesmasht – das ist bei den Eröffnungen Tradition. Es gab ein riesiges Feuerwerk und Gin Tonic in viel zu großen Gläsern, wie ich am nächsten Morgen feststellen musste. Und wenn ich noch mal wiederkommen sollte, bestelle ich auch keine kleineren.P1120297P1120272P1120328Ein Doppelzimmer im Hard Rock Hotel Tenerife kostet ab 200 Euro. Die beste Rate bekommt Ihr aber pauschal über FTI: Eine Woche im De-luxe-Zimmer inkl. Frühstück und Flug kostet ab 848 Euro (www.fti.de).

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Indian Summer in Ontario

Herbst ist die bunteste und auch die beliebteste Jahreszeit, um die Provinz Ontario im Südosten Kanadas zu besuchen. Vielleicht ist es das Märchen vom Indian Summer, der Elch, der gemütlich neben dem eigenen Kanu vorbeischwimmt, oder auch der Grillproviant, den man hoch am Baum festbinden muss, damit der Schwarzbär nicht rankommt, die das Gefühl vom perfekten Kanada-Märchen vermitteln. Na ja, und ich werde nicht lügen: Bestimmt sind es auch die echten Holzfäller-Jungs. Die, die nicht nur so tun als ob…P1090246P1090277P1090273Das 1,1 Millionen Quadratkilometer große Ontario besteht zu 20 Prozent aus Wasser. Hier wurde das Kanu von Indianern erfunden und es ist heute noch das wichtigste Transportmittel. Bei rund 400 000 Seen und Flüssen Ontarios macht es auch einfach mehr Sinn. Und Paddeln muss doch nicht nur für große Oberarme sorgen, sondern auch für Überlebenskunst – da wären wir wieder bei den Holzfäller-Jungs.P1090309P1090299P1090284P1090291Damit man von Anfang an beim Paddeln etwas mithalten kann, macht man ab besten einen Kanu-Kurs im Madawaska Kanu Centre. Meiner ging zwei Tage. Am meisten Spaß macht aber das Kanu-Leben außerhalb der Kurse: Schlafen in Waldhütten unter drei Decken…P1090303P1090066…Sonnenuntergänge am FlussP1090109P1090113…gesundes EssenP1090102…und Gemeinschaftsräume aus Holz wie damals im Ferienlager. Nur dass man Bier trinken darf und das ganze Grünzeug auch freiwillig isst.P1090093P1090139Das Madawaska Kanu Centre wird geleitet von Claudia Kerckhoff-Van Wijk. Sie hat deutsche Wurzeln, ist zehnfache kanadische Meisterin im Wildwasserkajak, Olympiakommentatorin und eine ausgezeichnete Yoga-Lehrerin. Und ich war stolz, ihre beste Schülerin zu sein. So früh wollte sonst keiner mitmachen… P1090140Claudia war auch diejenige, die darauf geachtet hat, dass wir nicht nur Speck mit Eiern essen, sondern auch etwas Joghurt mit Körnern. Ich brauche sie dringend in meinem echten Leben.P1090231P1090180Unserer Kanu-Lehrer hieß Ian und kam meinem Bild von Kanadiern, die in der Wildnis überleben würden, schon ziemlich nah. Außerdem sah seine Hose so aus, als hätte er einige Bärenangriffe überlebt. Auch das hat unser Vertrauen in ihn geweckt. P1090160Die ersten Versuche auf dem flachen Wasser…P1090530P1090418Später sind wir dann zum Bark Lake gefahren. Denn so richtig Spaß macht es erst, wenn man auch die Wildwasser-Strecken paddeln und etwas bumpen kann.P1090558Daniela und ich haben es überlebt. P1090316P1090326Die einzige Wasseraktivität, bei der ich auch ohne Lehrer vorankomme, ist Standup-Paddling.P1090333Bei dem eiskalten Wasser habe ich es natürlich besonders gefeiert, nicht reingefallen zu sein. Und mich später am Lagerfeuer und an den letzten Sonnenstrahlen des Tages aufzuwärmen.P1090341P1090345P1090585Die nächste Station auf unserer Ontario-Reise war Haliburton Forest Wildlife Reserve, ein 40 000 Hektar großer Wald mit 60 Seen und dem längsten Baumwipfelpfad Ontarios. Sein Besitzer, Peter Schleifenbaum, wanderte 1988 aus dem Sauerland nach Kanada aus, weil er das riesige Waldstück (halb so groß wie Berlin) geerbt hat. Wenige Jahre später machte der promovierte Forstwirt daraus ein Naturschutzgebiet, das sich heute zu 50 Prozent aus Ökotourismus finanziert. Man kann hier entweder Cottages mieten oder zelten. P1090634P1100179P1090825Solange es noch Tageslicht gab, sind wir mit einem größeren Kanu zum Baumwipfelpfad gepaddelt. Damit man die Seen und den Wald besser sehen kann, baute Peter Schleifenbaum ihn 1996 in die dichten Kronen.P1090772P1090686P1090674P1090698Fast eine Stunde liefen wir über die wacklige Brücken bis zu einer hängenden Aussichtsplattform.P1090720Und auch wenn der Weg etwas adrenalingeladen war: Von hier hat man tatsächlich DIE gesicherte (im echten und im übertragenen Sinne) Wow-Aussicht. Und noch viel wichtiger: Es gab Tee und Kekse.P1090713P1090810P1090802Und wie bestellt, ging bei unserer Rückkehr zum Kanu gerade die Sonne unter.P1090850Peter Schleifenbaum wäre natürlich kein richtiger Deutscher, wenn er nicht sein eigenes Haliburton-Bier hätte. Und Fisch ohne Sahnesauce servieren würde. Beides top!P1090860Was nach dem Essen passierte, war eines der unvergesslichsten Momente meines Lebens. Peter Schleifenbaum hatte schon erzählt, dass er ein Wolfscenter für verwaiste Tiere aufgebaut hat, das wir uns am nächsten Tag anschauen wollten. Sagte dann aber, dass wir die Wölfe schon vorher kennenlernen könnten. Da standen wir also nachts mitten im stockdunklen Wald, starrten still gegen den Himmel und die Sterne kleben auf unseren Nasen wie Sommersprossen und auf einmal fing Peter an, ein Wolfsheulen nachzumachen. Eine Minute lang passierte nichts, ich war schon etwas gelangweilt, aber dann hörten wir von allen Seiten ein lautes Heulen, an die hundert Wölfe mussten es gewesen sein, die ihm antworteten. Danach wieder Ruhe. „Was haben Sie mit den Wölfen so besprochen?“, habe ich Peter später gefragt. Er sagte, er hätte das Alpha-Heulen nachgemacht – von einem Rudelführer, der ein neues Gebiet betritt. Die Wölfe haben geantwortet, dass das Gebiet schon besetzt sei und er nicht näher kommen darf. Elf Arten von Wolfsheulen gibt es insgesamt, 20 Jahre hat er gebraucht, um sie nachahmen zu können. P1090867P1090906Auch verwaise Elche und verwaiste Autos sind bei Peter willkommen.P1090936P1090998Und hier ist sie, die Queen Herself, die Alpha-Wölfin Luna (irgendwie bin ich von einem männlichen Alpha-Wolf ausgegangen, aber wie Jay Z schon sagte: “Ladies is pimps too”).  Neun Wölfe lebten zur Zeit meines Besuches im sechs Hektar großen Gehege. „Und wo kamen gestern die anderen her?“, fragte ich Peter. „Es waren nur neun. Sie schaffen es aber, ihre Stimmlagen so zu verändern, dass sie sich wie Hunderte anhören. Um mehr Angst einzujagen.“ Wölfe in Gefangenschaft heulen eigentlich nicht. Sie müssen sich hier also wohlfühlen.P1090985P1090877Danach gab es ein Trucker-Frühstück, einen kurzen Besuch bei den Huskies und schon mussten wir weiter.P1100108P1100292Nach etwa zwei Stunden Autofahrt kamen wir im Algonquin Provincial Park an: 7700 qm groß, 1500 Kilometer Kanu-Routen, nur 60 Kilometer Straße und die wohl schönsten Aussichtspunkte in ganz Ontario. Der schnellste (und der schönste) Weg führt also immer über Wasser. Kanus kann man hier mieten wie Autos und Ausstatter wie Algonquin Outfitters vermieten nicht nur die Boote, sondern auch die komplette Reiseausrüstung für mehrere Tage wie Zelt, Essen und Kleidung.P1100229P1100209P1100168P1100234Wir haben im gemütlichen Arowhon Pines übernachtet – direkt im Park und mit etwas feinerem Essen. Nach einer Woche Wildnis war diese Pasta mit Hummer herzlich willkommen. Da man die besten Momente irgendwie doch nie mit der Kamera festhält: Das Resort hatte auch eine Sauna und nach etwa einer Stunde schwitzen darin hatten wir dann endlich den Mut, dem “Go jump into the lake” Schild zu folgen.P1100243P1100244An unserem letzten Morgen sind wir um sechs Uhr morgens aufgestanden, um in völliger Dunkelheit mit Stirnlampen ausgerüstet zu einem Aussichtspunkt am Canoe Lake zu paddeln (danke fürs Wecken, Julian!). P1100621 Und trotz meines Meckerns hat sich das Aufstehen gelohnt: Wir haben die perfekte Indian Summer Woche erwischt. Die Birken leuchteten gelb, die Eichen in einem Orangeton und die Ahornblätter von einem hellen Rosa bis zu einem saftigen Purpur. Farben-Overload wie auf einem Hipster-T-Shirt. P1100653Die Ahornbäume haben mich am letzten Tag dann zum Glück doch noch daran erinnert, Pancakes mit Ahornsirup zu bestellen. Was wäre eine Kanada-Reise ohne!

Danke an Ontario Travel für diese schöne Reise!

Flug: Ab Tegel via Frankfurt nach Ottawa oder Toronto ab 665 Euro mit Air Canada. Übernachten: Im  Madawaska Kanu Centre kann man Unterkünfte im Paket mit Kanu- oder Raftingkursen buchen, z. B. ein Wochenende ab 200 Euro. Im abenteuerlichen Wald- und Naturreservat Haliburton Forest ab 50 Euro p. P. und Nacht in Cottages, Campen ca. 30 Euro pro Familie. Baumwipfeltour ca. 60 Euro, Eintritt zum Wolfscenter ca. 8 Euro, Kanu mieten ca. 20 Euro/Tag. Im komfortablen Arowhon Pines direkt im Algonquin Provincial Park ab 160 Euro p. P. und Nacht. Allgemeine Infos: www.ontariotravel.net/de

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Spitzbergen: Das nördlichste Reiseziel der Welt

Nur 1200 Kilometer vom Nordpol entfernt, fast vier Monate lang komplette Dunkelheit, zu 60 Prozent von Gletschern bedeckt. Als ich vor meiner Abreise Anfang August wirklich alle Wollsocken, die ich besitze, in den Koffer werfe und dabei durch die Wetter-App scrolle, halte ich es zunächst für einen Systemfehler. Spitzbergen-Vorhersage für morgen: 13 Grad, 17 Sonnenstunden. Sonnenuntergang: Gar nicht.P1020989P1020978P1030011Unser Flieger landet am nächsten Tag exakt um Mitternacht in Longyearbyen, dem Hauptort der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen im Nordatlantik. Die Sonne scheint am Horizont. Wenige Minuten später geht sie auch schon wieder auf, ohne überhaupt untergegangen zu sein. P1030034 Auf Spitzbergen leben mehr Eisbären als Menschen. Vier Monate lang kann man sie aber gar nicht sehen, denn da herrscht Polarnacht.P1030038P1030052P1040756Das Holzhaus-Dorf mit 2300 Einwohnern und dem unaussprechlichen Namen Longyearbyen gilt als das nördlichste Reiseziel der Welt. Natürlich kommt man dem Nordpol auch noch näher, irgendwie, aber Longyearbyen hat eben den nördlichsten Flughafen, den man mit Linienflügen erreichen kann. Auf Spitzbergen befindet sich auch die nördlichste Brauerei der Welt, das nördlichsten Postamt der Welt und wahrscheinlich auch das nördlichste Alles der Welt.P1030075Hier wachsen keine Bäume und nur sehr wenige Pflanzen. Das weiße Wollgras sprießt aber überal.P1030097P1030106Ganz hell ist es aber nur bis Ende August – dann geht die Sonne zum ersten Mal für wenige Sekunden unter. Ab dann gibt’s täglich etwa 20 Minuten weniger Licht, bis am 26. Oktober die Polarnacht beginnt. Bis zum 16. Februar ist der Tag so dunkel wie die Nacht. Aber die Augen gewöhnen sich dran, sagen die Enheimischen. Man habe ja die Sterne und die Nordlichter. Trotzdem kommt Spitzbergen auf eine jährliche Sonnenstundenzahl von 1150 – vom 20. April bis zum 26. August geht sie ja schließlich gar nicht erst unter.P1030115P1030084Im Sommer parken vor den Häusern Schneemobile wie Autos. Je nach Reisezeit sind auf Spitzbergen völlig unterschiedliche Aktivitäten möglich. Ungefähr neun Monate pro Jahr sind die Fjorde und Meerengen eine einzige große, undurchdringliche Eisfläche. Die meisten Ausflüge finden dann auf einem Schneemobil oder eben mit einem Huskyschlitten statt. Im Sommer haben Huskyschlitten aber Räder. Und mann fährt mit Schiffen oder Kanus an die Gletscher heran.P1030123P1030153P1030165P1030166Die Huskys rennen auch im Sommer jeden zweiten Tag, um für den Winter fit und knackig zu bleiben. Bei uns Menschen ist es ja eher andersrum.P1030304P1030297Svalbard1Den arktischen Zungen-Schönheitswettbewerb habe ich definitiv verloren…Svalbard2… und den Augen-Wettbewerb übrigens auch.P1030451P1030468Mit einem Quad kommt man auf Spitzbergen aber deutlich schneller voran. Den Anzug trage ich wegen des Staubs, nicht wegen der Kälte. Damit fährt man zu verschiedenen Minen und Forschungsstationen der Insel.P1030501Spitzbergen hat eine arktische Universität, ein Polarinstitut, Satellitenstationen und Radaranlagen außerhalb der Stadt. Die 32 und 42 Meter großen Parabolspiegel dienen der Erforschung der Atmosphäre, der Nordlichter und des Ozons.P1030458P1030524P1030530Svalbard6P1030539P1030567P1030570So wurden gejagte Robben früher aufgehängt, damit Eisbären nicht herankommen.P1030590Das legendäre Eisbären-Warnschild am Ortsausgang von Longyearbyen. Ab hier darf man nicht ohne Gewehr raus. Die Guides haben immer eins dabei – allerdings eher zur Abschreckung. Seit 1971 sind lediglich fünf Menschen infolge eines Eisbären-Angriffes gestorben, in das Dorf verirren sich die Tiere sowieso nur äußerst selten. Für den Fall müssen aber alle Türen offen bleiben – damit man gleich ins nächste Haus flüchten kann.P1030593P1030622Spitzbergen wurde vom Holländer Willem Barents im 16. Jahrhundert endeckt, als er die Nordostpassage nach Indien und China suchte und mit seinen Schiffen festgefroren ist. Er überlebte den Winter trotz Hunger, Schneestürmen und Polarbären in einem solchen Haus, das er aus Bootsresten baute. In diesem Nachbau kann man heute den Abend bei Suppe und Schnaps verbringen und mehr über die Geschichte des großen Seefahrers erfahren.P1030672P1030630P1030633P1030628P1030822P1030680Solange das Wasser auf Spitzbergen noch flüssig ist, muss man es ausnutzen. Zum Beispiel beim Kayaken auf dem Adventfjord – zu einer verlassenen Minenstation.P1030696P1030712P1030746Die Besiedlung Spitzbergens erfolgte in erster Linie ab etwa 1900 wegen reicher Kohlevorkommen. Die Arbeit wurde aber mittlerweile industrialisiert, viele Minengebäude sind heute verlassen.P1030748P1030785Aber noch super zum Hochklettern und Tee trinken.P1030853Was man nach so einem Kayak-Tag eben braucht: Lachs, Kartoffeln, Sauce.P1030874Darf ich vorstellen: Das ist Viggo Antonsen, unser coole Guide, der mit seinem weißen langen Bart ein wenig wie Käpt’n Iglo aussah.P1030866In diesem Gebäude befindet sich die Pflanzensamenbank Svalbard Global Seed Vault, die etwa 4,5 Millionen Pflanzensamenproben aus aller Welt beinhaltet (nur Nordkorea wollte nicht mitmachen). Die Kapazität reicht für 2,25 Milliarden Samen. So sollen vor allem wichtige Pflanzen wie Reis, Weizen oder Gerste für den Fall einer genetischer Verunreinigung und vor Verlusten durch Atomkriege, Naturkatastrophen oder Pflanzenepidemien bewahrt werden. Bis jetzt wurde die Arche Noah für Pflanzen bereits einmal angezapft: von Syrien. Traurig, wenn man bedenkt, dass man eigentlich davon ausging, dass man sie entweder gar nicht oder in ganz ganz vielen Jahren mal im Extremfall brauchen wird…P1030902P1030898Das Restaurant Huset ist wohl das schickste auf Spitzbergen mit – wie auch sonst – dem nördlichsten Weinkeller der Welt. Übrigens der einzige Weinkeller weltweit, der geheizt und nicht gekühlt werden muss.P1030907P1030858P1030931Einer der beliebtesten Ausflüge im Sommer ist ein Tagestrip mit einem Polarschiff zum Gletscher Esmark. P1040654P1030935Die Tafel der Hoffnung: Die Chancen den König der Arktis ist den fellgewordene Traum aller Spitzbergen-Reisenden zu sehen, stehen gar nicht mal so schlecht. Zum einen wird die Eisbären-Population von Spitzbergen auf 3500 Tiere geschätzt. Zum anderen wandern sie gerne an der Packeisgrenze die Küste entlang, da sie dort ihr Lieblingsessen, die Robben, finden. Ein Eisbär kann sie aus 32 Kilometer Entfernung riechen und braucht 50 bis 75 Stück im Jahr, um zu überleben. Und: Weibchen nehmen in der Schwangerschaftdas Doppelte ihres Gewichtes zu (von 250 auf 500 Kilo), obwohl das Baby bei der Geburt nur 500 Gramm wiegt. Sehr sympathisch!P1040025P1040102P1040193Vor dem Gletscher ruhten sich auf den Eisschollen Bartrobben aus, die Papageientaucher alberten im Wasser herum und kurz tauchte sogar ein Walross neben unserem Schiff auf. Mit Eisbären hatte ich aber kein Glück.P1040227 2P1040221P1040280P1040600P1040246P1040372P1040354Grillen im Regen oder im Schnee. In der Artkis gibt’s kein schlechtes Barbecue-Wetter!P1040328P1040651P1040673P1040605P1040720P1040733Verpasst vor ganzen Ausflügen aber nicht, einfach mal durchs Dorf zu laufen und zu schauen, wie die Leute hier so leben.Svalbard4Falls ich im Winter noch mal wiederkommen sollte, habe ich hier schon mal das passende Accessoire.P1040680P1040751P1040753Auch toll: Das Svalbard Museum erklärt anschaulich die Geschichte und die Natur von Spitzbergen. Und da habe ich ihn, meinen Eisbär. Was für ein schwacher Trost…P1040681P1040749P1040693

Flüge: Ab Berlin Schönefeld mit Zwischenstopp in Oslo nach Longyearbyen (ab 470 Euro/hin und zurück), buchbar über SAS oder Norwegian Airlines. Nicht verwirrt sein: Die Norweger nennen die Inselgruppe Svalbard und nur die größte Insel Spitzbergen. Übernachten: Im Radisson Blu Polar Hotel ab 80 Euro/p.P. und Nacht. Aktivitäten (alle Tagesausflüge ca. 100 Euro mit Essen): Kayaken oder zum Gletscher fahren mit Svalbard Wildlife Expeditions, Quad fahren bei Svalbard Adventure Group, Hundeschlitten bei Green Dog Svalbard. Top-Restaurant und Weinkeller: Huset. Auch gut: Restaurant Kroa, der Pub Svalbar und Karlsberger Pub. Einheimische Kunst kaufen: Galerie Storo. Allgemeine Infos: visitsvalbard.com. Erklärt anschaulich die Geschichte und die Natur von Spitzbergen: Svalbard Museum.