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Calafate

Patagonien: Ab in den Schnee-Süden

“Da brechen sie ein Stück vom Gletscher ab und tun es in dein Whisky-Glas, während du über knackendes Eis läufst.” Ich weiß nicht, ob es diese einprägende Schilderung einer Freundin war oder einfach mal die Lust, einen etwas anderen Urlaub zu machen, die mich nach Patagonien trieb. Im deutschen Hochsommer und im tiefsten argentinischen Winter. So weit in den Süden, dass es schon wieder kalt wurde.P2040468 P2040518 “Willkommen am Ende der Welt”, steht auf einem Hinweisschild am Flughafen von Calafate, als wir aus dem Flugzeug steigen. Auf der Karte ist er knapp über dem südlichsten Zipfel Argentiniens mit dickem roten Punkt markiert. Welthauptstadt der Gletscher nennt man diesen im Laufe der letzten zehn Jahre von rund 6400 auf 20 000 Einwohner angewachsenen Touristenort am Lago Argentino im Süden Patagoniens.P2040522 Hauptgrund für den Boom war der Bau des Flughafens. Er ermöglichte einen viel schnelleren Zugang zu den berühmten Gletschern der Region, sie heißen Upsala, Perito Moreno und Spegazzini. “Minus elf heute”, sagt der Pilot, während er mit seiner dicken Winterjacke an uns vorbeigeht. Für manchen mag diese Bemerkung das Ende der Welt bedeuten. Nicht für meine beste Freundin Caro und mich – wir sind stolz, in diesem Sommer nicht an einem überfüllten europäischen Strand zu liegen. Nein, wir bezwingen den Gletscher, gefährliche Tiere und trinken dabei Whisky – so kalt wie noch nie. P2060685P2060225“Welche Whisky-Tour?”, fragt uns der Mann an der Rezeption. “Ah, die Gletscherwanderung? Nee, die gibt’s gerade nicht. Der Gletscher ist gesperrt, ist zu viel Schnee gefallen.” Schweigen. “Und gefährliche Tiere?”, haken wir nach. “Na ja, es gibt viele Hunde. Und ihr könnt reiten gehen …” Frustriert ziehen Caro und ich in unser Häuschen und gehen zum Lago Argentino spazieren…P2040643P2040681P2040702…um zu sehen, dass alles halb so schlimm. Der verschneite See wirkt wie aus einem Märchen gefallen. Die weißen Wolken hängen unter den mit Schnee bedeckten Bergzipfeln und über den mindestens genauso weißen Pferden, pinke Flamingos steigen vom Eisspiegel des größten Sees des Landes hoch. P1020392P1020403P1020433P2060224Und als wir zurück zum Hotel kommen (mit einer Flasche argentinischen Rotwein im Gepäck, versteht sich), warten schon unsere Hunde auf uns. Die wir dann trotz Verbote der Rezeptionisten mit ins Bett nehmen. Wir haben ja nicht umsonst unser eigenes Häuschen gebucht. Wir waren übrigens im Hotel Blanca Patagonia Hostería Boutique Hotel y Cabañas – zwar nicht besonders zentral, aber günstig und mit tollem Blick.P2060240P1020472Um halb sieben klingelt am nächsten Morgen der Wecker. Man kann zwar nicht auf den Gletscher, aber zumindest direkt davor. Unsere Tour (ca. 60 Euro von allen Hotels buchbar) startet bald, es ist noch ganz dunkel. Ich versuche, meinen Fuß in die von Oma gestrickte Wollsocke zu quetschen, um dann, noch auf einem Bein springend, den Skianzug von der Heizung zu holen. Wessen Idee war das das eigentlich mit Patagonien im Sommer? Wir checken noch neidisch ein paar Bikini-Badeseefotos unserer Freunde aus Deutschland, dann fahren wir los.P1020732Nach über einer Stunde Fahrt von Calafate erreichen wir den 80 Kilometer entfernten Nationalpark Los Glaciares. Zunächst fahren wir mit einem Schiff an den Gletscher ziemlich nah heran. Das war der erste Gletscher, den ich je gesehen. Diese Erfahrung war sogar schöner als meine erste Pizza.P1020742P1020767P1020948P1020946P1030134Halbe Stunde später sind wir runter vom Boot. Und nach weiteren 20 Minuten Autofahrt stehen Caro und ich endlich vor dem Perito Moreno, dem wohl berühmtesten Gletscher der Welt. Von der Unesco 1981 als Teil des Nationalparks zum Weltnaturerbe erklärt, zwängt er sich auf über 30 Kilometern Länge durch die Schluchten der Anden.CalafateSeine Zipfel erinnern an eine sehr sehr große Baiser-Torte. Die Gletscherfront ist eine siebzig Meter hohe, unfassbare Eiswand, die in den Lago Argentino ragt. Wir stehen ameisenklein auf der Aussichtsplattform und sind für einige Minuten einfach nur sprachlos.P1030117P2050088Immer wieder ertönt etwas, das wie ein Schuss klingt, wir ducken uns aus Reflex. Dann sehen wir, wie ein Riesenblock Eis in das türkisfarbene Wasser stürzt. Perito Moreno ist ein Naturwunder, denn während fast überall auf der Welt die Gletscher schmelzen, wird dieser hier nicht kleiner. Er bewegt sich immer nur so viel nach vorne und bricht so viel ab, wie er hinten ‘nachwächst’. Aktuell sind es etwa 70 Zentimeter pro Tag. P2050128P2050130Wir laufen durch das Netz von Aussichtsplattformen, von jedem Winkel zeigt der Gletscher andere Baiser-Muster. Ab und zu kommt wieder ein Schuss. Ich könnte Stunden hier bleiben. Auf der einen Seite ist es natürlich schade, dass wir nicht auf den Gletscher rauf können – wie zur Hauptsaison in unserem Winter und im argentinischen Sommer. Auf der anderen Seite soll es zu dieser Zeit sehr windig sein und das Wasser nicht so klar. Alles hat also seine Vorteile.P2050373P2050291P1030363Eine Spezialität der Region ist Lamm, gegrillt am offenen Feuer. Schmeckt unglaublich zart, aber eine Portion reicht für zwei. Und das sage ich als ambitionierte Esserin. Wir waren im Parilla Don Pichon, es war einfach am besten bewerten und ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo besser schmeckt.P1030345P2050529P1030361Und wer hätte das gedacht: Es gibt sogar patagonischen Wein vom Ende der Welt.P2040773Neuer Tag, neuer Ausflug. Dieses Mal geht es nicht zu Gletschern (zumindest nicht vorrangig), sondern auf eine Schiffsfahrt durch die Eisberge.P2050596Und wieder mitten in der Nacht aufstehen und gute Laune simulieren.P2050717Zum Glück wurde es schnell besser – nämlich mit dem ersten Eisberg. Die Sonne hat uns zwar an diesem Tag verlassen, aber die Eisberge wirken sowieso viel blauer und somit schöner, wenn es bewölkt ist (bei zu viel Licht sind sie einfach nur weiß). Sie verändern ihre Form täglich. Es war wie eine Fahrt durch eine vereiste Skulpturengalerie.P2050834P2050726P2050840P2050879P2050856Dieses Foto hat zwar nicht wirklich geklappt, aber angesteckt von den ganzen Asiaten und von Kate&Leo mussten wir es auch einfach mal versuchen…P2050882P2050896P2060036P2060129P2060162P2060286So kuschelig und gemütlich wir es auch hatten: Irgendwie wurde auf unserer ganzen dreiwöchigen Argentinien-Reise ständig jemand krank. Und alle Flüge und Ausflüge waren im Voraus bezahlt. Da habe ich zum ersten Mal über eine Reiseabbruchversicherung nachgedacht. Daran merke ich, dass ich entweder erwachsen werde oder eindeutig zu viel Spaß habe auf Reisen. Später habe ich eine gefunden, die genau passt: Reiseabbruchversicherung von Allianz Reiseversicherung (internationaler Marktführer) unterscheidet nämlich nicht zwischen privat unternommenen Urlaubsreise oder Geschäftsreisen – meistens endet ja genau an diesem Punkt der Reiseschutz. Sie ersetzt bei einem versicherten Reiseabbruch (z.b. schwere Erkrankung oder Unfallverletzung, Schaden am Eigentum, unerwartete Kündigung oder Jobwechsel) die Rückreisekosten wie neue Flüge, Shuttlebusse, zusätzliche Hotelkosten. Darüber hinaus wird der anteilige Reisepreis nicht genutzter Leistungen erstatten, z.B. im Voraus bezahlte Übernachtungskosten, Touren und sogar Spabehandlungen. So schläft es sich doch gleich viel ruhiger…P2060394Am letzten Tag der Reise sitzen wir dann doch noch auf einem Pferd am Ende der Welt. Zwei Stunden reiten wir durch die unwirkliche Landschaft um Calafate. Caro liebt Pferde, ich komme nur mit, um Angeberfotos zu machen. Und weil die Bars noch zu sind.P2060411P2060420P2060497P2060555P2060640P2060644Am Ende des Ausritts hat uns unser Gaucho (nach seiner Aussage, der letzte echte Argentiniens. Wo anders wären Gauchos keine echten Männer mehr, sondern nur noch eine Touristenattraktion) auf einen Tee in seine Hütte eingeladen. Top-Sehenswürdigkeit von Calafate, gleich hinter dem Perito Moreno.P2060657P2060655Also tranken wir Mate statt wie geplant Whisky mit Eiswürfeln – schmeckt auch, vor allem mit einem Kuss von dem einzig wahren Gaucho. So schlimm ist der argentinische Winter doch gar nicht…

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Spitzbergen: Das nördlichste Reiseziel der Welt

Nur 1200 Kilometer vom Nordpol entfernt, fast vier Monate lang komplette Dunkelheit, zu 60 Prozent von Gletschern bedeckt. Als ich vor meiner Abreise Anfang August wirklich alle Wollsocken, die ich besitze, in den Koffer werfe und dabei durch die Wetter-App scrolle, halte ich es zunächst für einen Systemfehler. Spitzbergen-Vorhersage für morgen: 13 Grad, 17 Sonnenstunden. Sonnenuntergang: Gar nicht.P1020989P1020978P1030011Unser Flieger landet am nächsten Tag exakt um Mitternacht in Longyearbyen, dem Hauptort der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen im Nordatlantik. Die Sonne scheint am Horizont. Wenige Minuten später geht sie auch schon wieder auf, ohne überhaupt untergegangen zu sein. P1030034 Auf Spitzbergen leben mehr Eisbären als Menschen. Vier Monate lang kann man sie aber gar nicht sehen, denn da herrscht Polarnacht.P1030038P1030052P1040756Das Holzhaus-Dorf mit 2300 Einwohnern und dem unaussprechlichen Namen Longyearbyen gilt als das nördlichste Reiseziel der Welt. Natürlich kommt man dem Nordpol auch noch näher, irgendwie, aber Longyearbyen hat eben den nördlichsten Flughafen, den man mit Linienflügen erreichen kann. Auf Spitzbergen befindet sich auch die nördlichste Brauerei der Welt, das nördlichsten Postamt der Welt und wahrscheinlich auch das nördlichste Alles der Welt.P1030075Hier wachsen keine Bäume und nur sehr wenige Pflanzen. Das weiße Wollgras sprießt aber überal.P1030097P1030106Ganz hell ist es aber nur bis Ende August – dann geht die Sonne zum ersten Mal für wenige Sekunden unter. Ab dann gibt’s täglich etwa 20 Minuten weniger Licht, bis am 26. Oktober die Polarnacht beginnt. Bis zum 16. Februar ist der Tag so dunkel wie die Nacht. Aber die Augen gewöhnen sich dran, sagen die Enheimischen. Man habe ja die Sterne und die Nordlichter. Trotzdem kommt Spitzbergen auf eine jährliche Sonnenstundenzahl von 1150 – vom 20. April bis zum 26. August geht sie ja schließlich gar nicht erst unter.P1030115P1030084Im Sommer parken vor den Häusern Schneemobile wie Autos. Je nach Reisezeit sind auf Spitzbergen völlig unterschiedliche Aktivitäten möglich. Ungefähr neun Monate pro Jahr sind die Fjorde und Meerengen eine einzige große, undurchdringliche Eisfläche. Die meisten Ausflüge finden dann auf einem Schneemobil oder eben mit einem Huskyschlitten statt. Im Sommer haben Huskyschlitten aber Räder. Und mann fährt mit Schiffen oder Kanus an die Gletscher heran.P1030123P1030153P1030165P1030166Die Huskys rennen auch im Sommer jeden zweiten Tag, um für den Winter fit und knackig zu bleiben. Bei uns Menschen ist es ja eher andersrum.P1030304P1030297Svalbard1Den arktischen Zungen-Schönheitswettbewerb habe ich definitiv verloren…Svalbard2… und den Augen-Wettbewerb übrigens auch.P1030451P1030468Mit einem Quad kommt man auf Spitzbergen aber deutlich schneller voran. Den Anzug trage ich wegen des Staubs, nicht wegen der Kälte. Damit fährt man zu verschiedenen Minen und Forschungsstationen der Insel.P1030501Spitzbergen hat eine arktische Universität, ein Polarinstitut, Satellitenstationen und Radaranlagen außerhalb der Stadt. Die 32 und 42 Meter großen Parabolspiegel dienen der Erforschung der Atmosphäre, der Nordlichter und des Ozons.P1030458P1030524P1030530Svalbard6P1030539P1030567P1030570So wurden gejagte Robben früher aufgehängt, damit Eisbären nicht herankommen.P1030590Das legendäre Eisbären-Warnschild am Ortsausgang von Longyearbyen. Ab hier darf man nicht ohne Gewehr raus. Die Guides haben immer eins dabei – allerdings eher zur Abschreckung. Seit 1971 sind lediglich fünf Menschen infolge eines Eisbären-Angriffes gestorben, in das Dorf verirren sich die Tiere sowieso nur äußerst selten. Für den Fall müssen aber alle Türen offen bleiben – damit man gleich ins nächste Haus flüchten kann.P1030593P1030622Spitzbergen wurde vom Holländer Willem Barents im 16. Jahrhundert endeckt, als er die Nordostpassage nach Indien und China suchte und mit seinen Schiffen festgefroren ist. Er überlebte den Winter trotz Hunger, Schneestürmen und Polarbären in einem solchen Haus, das er aus Bootsresten baute. In diesem Nachbau kann man heute den Abend bei Suppe und Schnaps verbringen und mehr über die Geschichte des großen Seefahrers erfahren.P1030672P1030630P1030633P1030628P1030822P1030680Solange das Wasser auf Spitzbergen noch flüssig ist, muss man es ausnutzen. Zum Beispiel beim Kayaken auf dem Adventfjord – zu einer verlassenen Minenstation.P1030696P1030712P1030746Die Besiedlung Spitzbergens erfolgte in erster Linie ab etwa 1900 wegen reicher Kohlevorkommen. Die Arbeit wurde aber mittlerweile industrialisiert, viele Minengebäude sind heute verlassen.P1030748P1030785Aber noch super zum Hochklettern und Tee trinken.P1030853Was man nach so einem Kayak-Tag eben braucht: Lachs, Kartoffeln, Sauce.P1030874Darf ich vorstellen: Das ist Viggo Antonsen, unser coole Guide, der mit seinem weißen langen Bart ein wenig wie Käpt’n Iglo aussah.P1030866In diesem Gebäude befindet sich die Pflanzensamenbank Svalbard Global Seed Vault, die etwa 4,5 Millionen Pflanzensamenproben aus aller Welt beinhaltet (nur Nordkorea wollte nicht mitmachen). Die Kapazität reicht für 2,25 Milliarden Samen. So sollen vor allem wichtige Pflanzen wie Reis, Weizen oder Gerste für den Fall einer genetischer Verunreinigung und vor Verlusten durch Atomkriege, Naturkatastrophen oder Pflanzenepidemien bewahrt werden. Bis jetzt wurde die Arche Noah für Pflanzen bereits einmal angezapft: von Syrien. Traurig, wenn man bedenkt, dass man eigentlich davon ausging, dass man sie entweder gar nicht oder in ganz ganz vielen Jahren mal im Extremfall brauchen wird…P1030902P1030898Das Restaurant Huset ist wohl das schickste auf Spitzbergen mit – wie auch sonst – dem nördlichsten Weinkeller der Welt. Übrigens der einzige Weinkeller weltweit, der geheizt und nicht gekühlt werden muss.P1030907P1030858P1030931Einer der beliebtesten Ausflüge im Sommer ist ein Tagestrip mit einem Polarschiff zum Gletscher Esmark. P1040654P1030935Die Tafel der Hoffnung: Die Chancen den König der Arktis ist den fellgewordene Traum aller Spitzbergen-Reisenden zu sehen, stehen gar nicht mal so schlecht. Zum einen wird die Eisbären-Population von Spitzbergen auf 3500 Tiere geschätzt. Zum anderen wandern sie gerne an der Packeisgrenze die Küste entlang, da sie dort ihr Lieblingsessen, die Robben, finden. Ein Eisbär kann sie aus 32 Kilometer Entfernung riechen und braucht 50 bis 75 Stück im Jahr, um zu überleben. Und: Weibchen nehmen in der Schwangerschaftdas Doppelte ihres Gewichtes zu (von 250 auf 500 Kilo), obwohl das Baby bei der Geburt nur 500 Gramm wiegt. Sehr sympathisch!P1040025P1040102P1040193Vor dem Gletscher ruhten sich auf den Eisschollen Bartrobben aus, die Papageientaucher alberten im Wasser herum und kurz tauchte sogar ein Walross neben unserem Schiff auf. Mit Eisbären hatte ich aber kein Glück.P1040227 2P1040221P1040280P1040600P1040246P1040372P1040354Grillen im Regen oder im Schnee. In der Artkis gibt’s kein schlechtes Barbecue-Wetter!P1040328P1040651P1040673P1040605P1040720P1040733Verpasst vor ganzen Ausflügen aber nicht, einfach mal durchs Dorf zu laufen und zu schauen, wie die Leute hier so leben.Svalbard4Falls ich im Winter noch mal wiederkommen sollte, habe ich hier schon mal das passende Accessoire.P1040680P1040751P1040753Auch toll: Das Svalbard Museum erklärt anschaulich die Geschichte und die Natur von Spitzbergen. Und da habe ich ihn, meinen Eisbär. Was für ein schwacher Trost…P1040681P1040749P1040693

Flüge: Ab Berlin Schönefeld mit Zwischenstopp in Oslo nach Longyearbyen (ab 470 Euro/hin und zurück), buchbar über SAS oder Norwegian Airlines. Nicht verwirrt sein: Die Norweger nennen die Inselgruppe Svalbard und nur die größte Insel Spitzbergen. Übernachten: Im Radisson Blu Polar Hotel ab 80 Euro/p.P. und Nacht. Aktivitäten (alle Tagesausflüge ca. 100 Euro mit Essen): Kayaken oder zum Gletscher fahren mit Svalbard Wildlife Expeditions, Quad fahren bei Svalbard Adventure Group, Hundeschlitten bei Green Dog Svalbard. Top-Restaurant und Weinkeller: Huset. Auch gut: Restaurant Kroa, der Pub Svalbar und Karlsberger Pub. Einheimische Kunst kaufen: Galerie Storo. Allgemeine Infos: visitsvalbard.com. Erklärt anschaulich die Geschichte und die Natur von Spitzbergen: Svalbard Museum.

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Zehn Tipps für Island im Winter

Ich war in Island im Sommer und ich war in Island im Winter und als ich in Island im Winter war, war es wie in einem völlig anderem Land zu sein. Allein schon deshalb sollte man zweimal hin. Da wäre aber noch ein wichtiger Grund: Im Winter gibt es in Island den Sonnenaufgang für Faule. Ihr könnt in aller Ruhe bis kurz vor elf schlafen, denn dann geht die Sonne erst auf. Und kurz vor drei schon wieder unter. Und wer denkt, Island wäre im Winter ungemütlich, dunkel und grau, wird überrascht sein, wie viele Farben sich um diese Jahreszeit doch noch durchboxen. Nur mit einer Farbe solltet Ihr vorsichtig sein: mit der der Polarlichter. Die Japaner glauben nämlich, dass sie ganz viele Babys bringt. Hier daher meine jugendfreien Tipps für Island im Winter:

1. DER SCHWARZE STRAND VON VÍKP1870341P1870606P1870667P1870359P1870489P1870544Dass der Strand von Vík (im südlichsten Dorf Islands) eigentlich ein schwarzer Lavastrand ist, verraten im Winter nur die Reynisdrangar-Felsen (Bild unten) mitten im Meer. Und manchmal auch die kleine Lücke zwischen dem weißen Meer und dem weißen Schnee (Bild oben).P1870714P1870717Über zu wenig Platz brauchen sich die Isländer nicht zu beschweren. Auch nicht in der Nase…P18707332. WASSERFÄLLEP1880142P1880461Auf Reisen im Golden Circle, der beliebtesten Route im Süden Islands, werden meistens drei Wasserfälle angefahren: Skógarfoss (erstes Bild), Gullfoss (zweites Bild) und Seljalandsfoss (Bild unten). Obwohl der Gullfoss als der mächtigere und der Skógarfoss als der schönere gilt, war der Seljalandsfoss schon immer mein Liebling! Man kann nämlich dahinter laufen und nach einem Wikinger-Schatz suchen. Dass die Treppen etwas vereist waren, hat mich auch nicht weiter davon abgehalten.P1880219P18802633. ESSENP1890815Das erste Gericht werden alle vermutlich noch ganz appetitlich finden: traditioneller isländischer Hummer (fällt immer kleiner aus) im berühmten Fjorubordid-Restaurant. Danach kommt chronologisch: geräucherter Papageientaucher im Hotel Rangá, Pferdefleisch-Carpaccio mit Parmesan im Cava-Restaurant und Gammelhai aus einem isländischen Supermarkt.P1880318P1890165P18903414. GEYSIREP1880387Große Pläne brauchen große Autos. Und was in Deutschland eher protzig aussieht, macht in Island tatsächlich Sinn. So wie auf unserer Fahrt ins Geysir-Tal Haukadalur. Bei Minusgraden sind die Dampfwolken noch gewaltiger. So schießt z.B. der Strokkur (Bild unten) ca. alle zehn Minuten eine bis zu 35 Meter hohe Säule in die Luft (rechts im Foto sind zwei Menschen als Größenvergleich). Während das Wasser bis zu 90 Grad werden kann (nicht anfassen!), hängen an der Absprerrung dicke Eiszapfen.P1880644P1880781P18807685. HOT POTSP1890923OLYMPUS DIGITAL CAMERAIsland ist voll mit heißen Thermalquellen und das haben wir vulkanischen Aktivitäten zu verdanken. Daher sind Hot Pots ein wichtiger Bestandteil der isländischen Bade- und Abhängekultur. Der wohl berühmteste und kommerziellste Hotpot ist die Blaue Lagune mit ihrem milchig-blauen Wasser (ca. 35 Euro Eintritt, zumindest sind die Schönheitsmasken umsonst) in der Nähe vom Flughafen. Aber auch in allen städtischen Bädern (ca. 5 Euro Eintritt, Bilder unten) gibt es diese Natur-Jacuzzis.OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnja und ich haben in das städtische Bad ein paar Beauty-Essentials mitgeschleppt…OLYMPUS DIGITAL CAMERAP1880363Die andere Möglichkeit, einen Hot Pot auszuprobieren, wäre ein Hotel mit Hot Pots zu buchen. Zum Beispiel hat das Rangá Hotel seine Wannen draußen im Schnee und ohne direkten Zugang. Da muss man sich vorher schon sehr viel Mut antrinken – mit den vielen isländischen Biersorten geht es ganz gut (ich weiß, ich erzähle immer vom Trinken, aber ich trinke auch einfach so viel).P1890026P1870303Nach bereits zwei Flaschen haben Julia und ich beschlossen, uns ein paar Tipps vom Bären in der Lobby einzuholen – der ist ja schließlich schon länger da.P1870320P1880298Danach war uns die Lösung ganz klar: Wir überwinden den Weg zum Hot Pot, indem wir einfach unsere Havaianas anziehen. Warum ist uns das nicht gleich eingefallen?P1880273Wie es im Hot Pot weiterging, brauche ich ja an dieser Stelle nicht mehr zu sagen. Nur kurz was zum Bild unten: Liebe Mama, ich habe in Island immer meine Mütze getragen, so wie du es mir aufgetragen hast! Es waren übrigens -17 Grad, falls sich das jetzt jemand gefragt hat…P18802946. GLETSCHERWANDERUNGP1880050P1870895P1870972Zur blauen Stunde mit Spikes und Eispickel ausgestattet auf dem Sólheimajökull-Gletscher zu wandern macht Euch einfach nur… blau. Leider wird dieser Gletscher wegen des Klimawandels laut Prognosen in 100 Jahren komplett geschmolzen sein. Daher: Fahrt weniger Auto, fahrt mehr Skateboard!P1870922P1870870P1870992P18709377. SHOPPINGP1870739Nehmt in Island niemals das Wort “Norwegerpullover” in den Mund! Das sind Islandpullover, die aus Wolle einer besonders zähen Schafrasse gestrickt werden. Und halten daher angeblich viel besser warm als die norwegische Variante.P1890314Auch weg mit Euren Jack Wolfskins und North Faces! In Island trägt man das einheimische Label 66°NORTH (seit 1926), das ebenfalls sehr warm hält, aber leider auch viel kostet. Bei mir hat es für eine Mütze gereicht. Die gute Nachricht: Shopping in Island ist Duty Free. Bei Einkäufen über 25 Euro bekommt man am Flughafen 15 Prozent Mehrwertsteuer zurück erstattet.P1890887In Reykjavik gibt es viele Second-Hand-Shops wie z.B. das Spúútnik, wo man günstigere Islandpullover kaufen kann (die dann wiederum oft aus Norwegen sind) und lauter Hipster-Zeugs.P18908778. LAVAHÖHLENP1890527Am Anfang von dieser Tour im Bláfjöll-Gebirge vesteht man nicht so recht, was man hier soll (außer, dass es vielleicht wie auf einer verschneiten Mondlandschaft aussieht). Dann steigen wir in die 3000 Jahre alte Lavahöhle Leidarendi (bedeutet “totes Ende”) ab. Erst 1991 hat man in Island angefangen, solche unterirdischen Lavatunnel zu entdecken, bis heute weiß man von ungefähr 250. Im Winter verwandeln sich die Höhlen in Eispaläste aus Stalaktiten und Stalagmiten. Mit einer Helmlampe ausgestattet, kriecht man teilweise auf dem Bauch durch die Mini-Gänge, um zum nächsten “Raum” zu gelangen. Wenn mal ein Eiszapfen abbricht und auf den Boden knallt, hört sich das an wie kleine Unfälle beim Weihnachtsbaumschmücken.  P1890537P1890552P1890673P18905719. SCHNORCHELN ZWISCHEN DEN KONTINENTENP1880975Yeah! Wir sind so glücklich, dass es bei -19 Grad Außentemperatur gleich ins drei Grad warme Wasser geht! Nein, sind wir nicht. Warum wir trotzdem im Winter schnorcheln gehen? Im Pinvellir-Nationalpark verläuft die Grenze zwischen der nordamerikanischen und eurasischen Kontinentalplatte – hier sind die Kontinente mal auseinandergebrochen. Die Silfra-Spalte wurde aufgrund ihrer unglaublichen Sichtweite von bis zu 100 Metern unter die zehn besten Schnorchelplätze der Welt gewählt. P1880972P1880976Der Trockenanzug soll kein Wasser durchlassen. Umziehen muss man sich auf dem Parkplatz.P1880990P1880993Das ist die Kontinental-Spalte  – von oben eher unspektakulär. Links Europa, rechts Amerika. Sie wird gespeist durch das Schmelzwasser des 50 Kilometer entfernten Langjökull-Gletschers und kommt nach 30 bis 100 Jahren hier perfekt gefiltert an. Wie perfekt gefiltert sieht man aber erst, wenn man unten ist.P1880997Silfra3Und so sieht es aus, wenn man zwischen zwei Kontinenten schnorchelt. Normalerweise nehme ich für den Blog nur eigene Bilder (das Foto oben ist vom Veranstalter Arktische Abenteuer), aber der volle Akku von meiner Unterwasserkamera ist in weniger als einer Minute leer gewesen – so eisig war das Wasser. Viel bewegen muss man sich in der Spalte aber nicht, denn die leichte Unterwasserströmung zieht Euch mit. Als wir nach etwa 40 Minuten wieder draußen waren (Bild unten), hatten wir Eiszapfen im ganzen Gesicht: ich auf den Wimpern, die Jungs in den Bärten. Da fanden wir uns schon ein bisschen cool.P188099810. REYKJAVIKP1890041Reykjavik ist die nördlichste Hauptstadt der Welt. Kalt wird es trotzdem nicht. Denn während man in anderen Hauptstädten ein Taxi braucht, um von einer Bar zum nächsten Club zu ziehen, muss man im Laugavegur (tagsüber Einkaufs- und nachts Partymeile) nur die Straße überqueren. Ganz wichtig: Outdoorkleidung im Hotelzimmer lassen! Mädchen schweben hier elfengleich in ihren weißen Pelzmänteln und Riesenabsätzen über dem Schnee und die Männer sehen so aus, als könnten sie einem frisch gefangenen Fisch den Kopf abbeißen, aber auch Wolldecken für die japanischen Polarlichter-Babys besorgen.P1890089P1890131Das Cava ist eine angesagte Bar (obere Etage) und Restaurant (untere Etage). Sonst noch coole Adressen in Reykjavik: Kaffibarrinn (alle so fame, dass Fotos nicht erlaubt sind), Micro Bar (hat eine eigene Brauerei), Kaldi Bar (Backsteinwände und Klavier), Laundromat Cafe (Wäschewaschen und Brunchen). P1890191P1890226P1890103P1890189Mit der Gang von Arktische Abenteuer, die mir Island und noch viel mehr gezeigt haben: Anja und Gardi. Danke! Und erstaunlich: In Island gibt es auch “normales” Fleisch wie Ente (Bild unten).P1890178P1890447Das Konzerthaus Harpa ist das neue Wahrzeichen der Stadt. Wem es zu brav ist: Im Phallusmuseum kann man mehr als 280 Penisse aus der ganzen Tierwelt bestaunen. Darauf einen Hot Dog aus der berühmtesten Bude der Stadt: Beajarins Beztu PylsurP1890338Flüge nach Island gibt’s mit WOW-Air, der einzigen Lowcost Airline Islands schon ab 59 Euro/Strecke. Die beschriebenen Touren sind bei Arktische Abenteuer direkt auf der Webseite oder in ihrem Büro in Reykjavik zu buchen. Lest hier meine Geschichte über Island im Winter bei BildPlus und hier in der BZ.