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Love me, Rio!

Diese Woche, als ich Karnevals-Fotos meiner Freunde aus Brasilien sah, konnte ich nicht anders: Ich holte meine letzte sicher gebunkerte Dose Guaraná (brasilianische Limo) aus dem Versteck und meine externe Festplatte aus dem Schrank und machte den Ordner “Karneval Rio de Janeiro” auf. Mit dem ersten Schluck und dem ersten Klick war ich sofort wieder katapultiert in die heißeste Stadt auf diesem Planeten. Wer einmal hier war, ist entweder schockverliebt oder kann den Hype überhaupt nicht nachvollziehen. Was dazwischen gibt es nicht, denn die Stadt ist auch nicht “dazwischen”. Meine Lieblingsaufnahmen, meine Lieblingsorte, meine Lieblingspartys aus der Stadt, die niemals angezogen ist:

1. COPACABANAP1170197P1170171Der Strand von Copacabana ist zwar weltberühmt, hat aber den Ruf etwas “altbacken” zu sein. Altbacken heißt bei den Brasilianern dann sowas wie “die Eisverkäufer sind nicht ganz so schnell” und “nicht alle Mädchen tragen Tanga-Bikinis”. Das letztere ist tatsächlich ein Skandal. Denn der Tanga-Bikini gehört zum Dresscode. P1170193An manchen Exemplaren kann man sich gar nicht sattsehen…P1170203…an anderen dagegen schon etwas schneller…P1170226 2…und wiederum an anderen ganz schnell! Ich hatte den knappsten Bikini mit, den ich besitze und sah damit trotzdem aus wie ein Tiefseetaucher. Zum Glück gab’s am Strand meine geliebte Guaraná-Limo als Ausgleich – damit wirkte ich dann etwas einheimischer.P1170228P1170204Die Wahrzeichen von Copacabana sind das Copacabana Palace (das teuerste Hotel in Rio) und die gewellten Keramikfliesen an der Promenade. P1170251P11702482. ESCADARIA SELARÓN P1200466An diesen Treppen saßen schon Pharrell Williams und Snoop Dog beim Dreh ihres Musikvideos zu “Beautiful”. Wisst Ihr noch: “Beautiful, I just want you to know you’re my favorite girl”. Die Geschichte hinter dieser Treppe ist aber eine traurige: Der chilenische Künstler Jorge Selarón, nach dem die Treppe auch benannt ist, legte aus Liebeskummer mehr als 2000 Kacheln an 215 Stufen. Jeder konnte ihn an der Treppe besuchen und Kacheln aus seinem Land mitbringen – insgesamt zieren hier angeblich Kacheln aus 60 Ländern Stufen und Wände. Vor zwei Jahren fand man den Ehrenbürgern von Rio im Altern von nur 65 Jahren tot auf seiner Treppe. Heute versammeln sich hier jeden Abend Musiker, aber Kacheln bringt leider keiner mehr mit.P1200489P12005353. LAPA P1170258P1170268Das Viertel Lapa im Stadtzentrum von Rio ist weder besonders schick, noch besonders nackt, spätestens ab 11 wird wird hier aber gewackelt (Samba, Forró, Choro) wie kaum irgendwo in Rio. Manche sagen, es wäre gefährlich, aber habt Ihr schon mal eine gute Party an einem ungefährlichen Ort erlebt? Eben! Auf dem Aquädukt (Arcos da Lapa) fährt tagsüber die berühmte Straßenbahn. P11702714. FAVELA ROCINHAP1200745P1200655P1200721P1200666P1200767Rocinha ist die größte Favela Rios und die drittgrößte der Welt. Wie die meisten Favelas, ist sie in die Berghänge gebaut und hat somit die beste Aussicht der Stadt. “In Rio haben die Armen wenigsten den besten Blick”, scherzt man hier. In Wirklichkeit herrschen in Favelas strenge Eigenregeln, Diebstahl ist zum Beispiel hoch verpönt – weshalb auch aufeinandergebaute Armenhäuser oft nur eine Straße weiter von nicht abgesperrten Luxusvillen stehen. Das sieht man sonst nirgendwo in Südamerika. Aktuell bemüht man sich, an der “Grenze” Schulen und Kindergärten mit gemeinsamen Pausenhöfen zu bauen.P1200758P1200774P1200769P12008065. IPANEMAP1190164P1190183Ein anderer brasilianischer Witz: “Ipanema ist da, wo man die beiden Hügel am schönsten sieht.” Ipanema ist tatsächlich bekannt dafür, dass sich hier die schönsten und die durchtrainiertesten Brasilianer versammeln. Zum Fußball spielen oder einfach nur zum Angeben. 80 Prozent können nämlich gar nicht richtig schwimmen. Wir kamen während des Karnevals vor Samba-Paraden immer hierher, um uns noch etwas zu sonnen, Hügel zu bewundern und ein paar Scampi-Spieße zu essen.P1190190P1190196P1190228P1190201P1190207P1190211P1190212P1190248P1190253P1190260P11902616. ZUCKERHUTP1200963P1200908Für den ganz großen Auftritt am Zuckerhut gibt es einen Helikopter-Landeplatz. Aber ehrlich gesagt: Fliegt lieber über der Christus-Statue (nächster Punkt), wenn Ihr die Wahl habt. Der berühmte Granitkegel Pão de Açúcar ist 396 Meter hoch (man fährt mit der Seilbahn nach ganz oben) und das reicht völlig aus für eine atemberaubende Aussicht – vor allem, wenn die Sonne untergeht…P1200995P12009397. CORCOVADOP1170625P1170660Ach, was soll man dazu sagen, außer, dass man vielleicht zum Corcovado (dem Berg mit der Christus-Statue) früh kommen sollte, um nicht ein Zahnradbahn-Ticket für “erst in zwei Stunden” zu bekommen. Dann sind nämlich viele verzweifelt und fahren mit den langweiligen Bussen hoch. Und verpassen so weitere tolle Aussichten aus der Bahn. P1170764P1170635rioP11707678. BOTANISCHER GARTENP1180049140 Hektar Ruhe, Palmen und Wasserfälle. Während des Karnevals war der Botanische Garten wie ein Rehab für mich. Na ja, nicht ganz: In Rio gibt es an jeder Ecke diese Caipirinhas aus Maracujas, Kiwis und Cashew-Frucht. Limetten sind von gestern und hier schon out.P1180096P1180008P1180104P11709639. SAMBÓDROMOP1170524P1170531Meine Bilder von den Samba-Paraden im Stadion Sambódromo findet Ihr hier. Die großen Paraden sind immer Sonntagnacht und Montagnacht. Am Freitag davor gibt es aber eine Parade, die vielleicht sogar noch schöner ist – wenn der Nachwuchs der Sambaschulen ihren großen Auftritt übt. Die ganze Familie rückt an, um das Mädchen kurz davor zurechtzumachen. Und die könnten stolzer nicht sein.P117050610. LEBLONP1170800An Strandabschnitten von Rio (wie Ipanema und Leblon) gibt es während des Karnevals so genannte Blocos – das sind kostenlose Straßen- und Strandpartys mit Musikern und “leichten Kostümen”. Richtig verkleiden tun sich nur die Paradeteilnehmer im Sambódromo – bei den Blocos reichen also schon ein paar Federn und ein paar Ohren. Wenn man keine Karten für die Paraden hat, ist das hier die schönste Alternative, um mitzufeiern. P1170819Ich habe eine Kokosnuss getragen…P1170830P1170794P1170847P1170791P1170880P1170904P1170919P1170887P117092711. CHURRASCARIAP1170947P1170944In Deutschland oft Rodizio genannt, machen die Churrascarias in Brasilien noch satter. Und schmecken so viel saftiger. Die Kellner gehen mit Fleisch-Spießen rum und schneiden Stücke auf den Teller, solange man den Button auf seinem Tisch auf grün lässt. Diese Fotos sind aus der Promi-Churrascaria Porcão – die ließen mich sogar für ein Foto in die Küche! Unten auf dem Bild: Oktopus mit Gemüse gegrillt und im Hintergrund Feijoada, ein traditionelles Sonntagsessen aus Bohnen und Fleischresten.P123018312. HOTELP1230120Noch teurer als Hotels in Rio sind nur noch… Hotels in Rio zu Karnevalszeit. Wir haben fünf Tage in einer Bruchbude ohne richtige Fenster für fast 200 Euro die Nacht gewohnt und sind am letzten Tag als Abschluss in eine superschöne Suite von Othon Palace an der Copacabana gezogen. Die hat dann ganze 70 Euro mehr gekostet, aber was für ein Unterschied! Zumindest für eine Nacht würde ich es daher jedem empfehlen, ein Hotel mit einer solchen Aussicht zu buchen. Der einzige Nachteil: Man bleibt den ganzen Abend auf dem Balkon hängen und will gar nicht mehr raus.P1230111P1230141P1230154P1230151P1230172Flüge nach Rio de Janeiro gibt es bei Air France via Paris oder mit KLM via Amsterdam.

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Kopenhagen zum Relaxen

Alle sagen man muss im Sommer nach Kopenhagen. Dann sitzen die Dänen total entspannt am Wasser, sehen ohne ihre Winterjacken noch viel hübscher aus als sonst und die Auswahl an getrockneten Substanzen im Freistaat Christiania ist noch größer. Ich war vor zwei Wochen zum ersten Mal in Kopenhagen. Um festzustellen: Keine Parka und kein Sturm hält einen Dänen davon ab, gut auszusehen. Und gut gelaunt zu sein. Dänemark gilt ja als das Land mit den glücklichsten Menschen der Welt. Das ergab die aktuelle Map of Happiness. Ich dachte immer die glücklichsten Fleckchen der Erde wären entweder Monaco wegen der ganzen Millionäre, Mexiko wegen des Tequilas oder Amsterdam wegen … na ja, Ihr wisst schon. Aber nein, das sind die Dänen, angeblich weil sie immer so entspannt sind.
Deshalb sah mein Plan für Kopenhagen so aus: An kalten Tagen nach Orten suchen, die die Leute hier so relaxed machen, an SEHR kalten Tagen zu Orten und Museen gehen, die in meinem Reiseführer mit diesem komischen roten Stern markiert sind (steht wohl für Highlights) und man sich sofort schlecht fühlt, wenn man auch nur eins davon verpasst. In diesem Post geht´s um meine Kopenhagen-Lieblinge zum Relaxen und im nächsten dann um Stadt-Highlights, die jeder gesehen haben sollte. Und wer noch nicht genug von Kopenhagen hat: Hier meine Reisegeschichte in der BZ.P1440914

Eine enstpannte Reise beginnt immer mit einem entspannten Hotel. Die Zimmer in Kopenhagen sind entweder zu klein oder zu teuer – meins war beides. Aber dafür zentral am Hauptbahnhof gelegen, cool eingerichtet und Trip-Advisor-Gewinner vom letzten Jahr. Das lag bestimmt an der Tee- und Kaffeflatrate, über die ich mich bei dem 50-Studenkilometer-Wind und gefühlten 20 Grad Minus (habe ich mir nicht ausgedacht, hat der dänische Nachrichtensprecher gesagt) auch sehr gefreut habe.P1440415P1440418P1440425

Der beste Weg, eine Kopenhagen-Reise relaxed anzugehen, ist eine Bootstour zu machen. So bekommt man den ersten Überblick über diese verwinkelte und von Häfen und Kanälen übersäte Stadt. Das Hop-On-Hop-Off-Boot stoppt im 1Std. und 15 Min.-Takt immer am Gammelstrand, Nyhavn, bei der kleinen Meerjungfrau und am Christianshavn. Und fährt vorbei an der Börse mit ihrem Dach aus ineinander verschlungenen Drachenschwänzen (erstes Bild), an der modern gebauten Oper, am besten Restaurant der Welt Noma und am Schloss Amalienborg – der Stadtresidenz der dänischen Königin Margrethe II. Man kann so oft wie man möchte aussteigen und dann wieder weiterfahren. Diese Quatsch-Mütze habe ich mir übrigens in einem Touri-Shop gekauft, weil es so kalt war und die Geschäfte nur noch die Frühjahrs-/Sommerkollektion hatten. Jetzt sind wir unzertrennlich :-) .P1440998P1440584P1440557 P1440568 P1440589P1450243 P1440604 P1440609 P1440633

Es gibt ein paar Viertel in Kopenhagen abseits des Zentrums, die für das dänische Dolce Vita wie geschaffen sind. Ich fand Vesterbro cool, das alte Arbeiterviertel Kopenhagens, wo jetzt überwiegend Studenten und junge Familien wohnen. Hier sind auf dem Gelände von einem Schlachthof, wo morgens übrigens immer noch Fleisch auseinander genommen wird, ein paar hippe Bars und Restaurants enstanden wie die Karrierebar, das Paté Paté (für Leberpasteten bekannt) oder die Fiskebar (Fisch und Austern). Die roughe Einrichtung haben die meisten beibehalten: z.B. die Fiskebar mit Hacken, die von der Decke hängen, weißen Fliesen und Stahltischen. Wenn man aber an den von außen unspektakulär aussehenden Hallen tagsüber vorbeigeht, kann man noch nicht mal erahnen, was hier abgeht, wenn es Nacht und Wochenende wird in Kopenhagen.P1440731P1440725P1440715P1440711

Nicht verpassen sollte man auch den Freistaat Christiania – den Inbegriff vom Relaxen. Anfang der 70er Jahre wurde das Gelände von Jugendlichen besetzt und obwohl es schon öfter Streit mit der Regierung gab, zahlt man in diesem selbstverwalteten Mini-Stadtteil immer noch keine Steuern. Heute ist Christiania eher zu einer Touristenattraktion geworden, die Bewohner verdienen ihr Geld mit Restaurants, Kneipen, Kunst … und Gras. Und irgendwie sieht es vor allem abends dort aus wie im Disneyland für Hippies – mit fantasievoll bemalten Wänden, Handwerk, bunten Strahlern und brennenden Mülltonnen, an denen man sich bei einer Suppe oder einem Schnaps aufwärmt. Nur Fotos darf man dort nicht machen – deshalb hier nur ein Bild vom Eingang.

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Und zum Schluss mein absoluter Lieblingstipp. In nur vier Stationen vom Stadzentrum entfernt kommt man mit der spektakulären Metro, die ohne Lokführer fährt und vorne verglast ist (unbedingt ganz vorne einsteigen!), zum wunderschönen Amager Strand. Im Sommer wird dieser Ostseestrand im wahrsten Sinne des Wortes zum Hot(tie)spot, aber auch sonst kriegt man nirgendwo in Kopenhagen so viele Sonnenstrahlen ab wie dort – mit dem Blick auf die Brücke nach Malmö und die darüber abhebenden Flieger.P1450144P1450159P1450181P1450205P1450230