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Trinidad: Wo Bänke hübscher sind als Mädchen

Wenn es einen Schönheitswettbewerb zwischen den kubanischen Städten gäbe, würden diese zwei sich die Augen auskratzen: Havanna und Trinidad. Die eine mit Narben, einer Bibliothek und einer Flasche Rum unter dem verstaubten Rock und genug Temperament, um Spitzbergen in Sahara zu verwandeln. Die andere süß, glatt poliert und so verschnörkelt, dass selbst die Bänke hübscher aussehen als alle Mädchen, die je darauf sitzen werden. Zum Glück müssen wir uns aber nicht entscheiden und können (und sollten sogar) sie beide haben. Hier ein paar Inspirationen für einen Tag und eine Nacht in Trinidad:P1380495 2Dass Trinidad (50000 Einwohner) so eine Schönheit ist, hat einen pragmatischen Grund: Die Zuckerrohrfelder brachten der Stadt am karibischen Meer im 18. und 19. Jahrhundert einen unermesslichen Reichtum. Die Sklaven schufteten, die Grundbesitzer bauten sich Herrschaftshäuser, Kirchen- und Überwachungstürme – so eine hohe Dichte davon ist sonst nirgendwo auf Kuba zu finden. DSC_0455P1380368P1380362Auch wenn mich Mitreisende oft dafür hassen: In Städten versuche ich immer ganz früh aufzustehen und durch die Straßen zu laufen, um noch etwas vom echten Leben mitzubekommen. Hier ein paar Menschen, die mit ihren Plastikflaschen in der Milch-Schlange stehen, da ein Mann, der in der Morgensonne seinem Vogel beim Zwitschern zuhört und mir erklärend “iPod Cubano” zuruft. Dann ein Hund, der auf sein Herrchen wartet oder einfach nur auf alle, die ihm etwas Essen zuwerfen. Kinder, die in Uniform zur Schule gehen, ein stolzer Ritter auf seinem Esel. Mittags sieht man sie alle nicht mehr.DSC_0594DSC_0583P1380375P1380388DSC_0603P1380405Plaza Mayor soll der meist fotografierte Platz Kubas sein. Und der schönste. Da wären wir wieder beim Battle.P1380419P1380412Und egal, wie sehr man es auch versucht: Besser als die Bänke wird man hier niemals aussehen. P1380413DSC_0640DSC_0584P1380435 2P1380519P1380446P1380761P1380657Für den 16. Geburtstag wird in Kuba eine große Sause veranstaltet: Das Mädchen wird erwachsen und soll sich wie eine Prinzessin fühlen. Es gibt sogar einen Privatfotografen, der den besonderen Tag dokumentiert. Falls nicht alle Jungs zugeschaut haben…P1380465P1380734P1380894P1380757P1380546P1380595P1380573Für eine schöne Aussicht auf Trinidad und den Klosterturm von Convento San Francisco de Asís  (Wahrzeichen) klettert auf den Turm von Museo de Historia Municipal! Er liegt direkt um die Ecke von Plaza Mayor (oberes Bild) und auch die Berge der Sierra del Escambray (unteres Bild) kann man von hier viel besser bestaunen. P1380596P1380605P1380798P1380795Im Stadtmuseum Palacio Cantero bekommt man einen guten Einblick in das frühere Leben der Kolonialherren in ihren Stadtvillen. Die von innen mindestens genauso eindrucksvoll waren wie von außen.P1380644Gesetze der Zeit scheinen nicht für Kubaner zu funktionieren. Je älter sie werden, desto cooler sehen sie aus.P1380838DSC_0675P1380742P1380770P1380772DSC_0614P1380839DSC_0649DSC_0618So ungefähr ab Mittag kann man aus Trinidad wieder weg. Da legen die Kreuzfahrtboote an und die Ausflugsbusse aus Varadero trudeln ein. Ich bin jetzt kein “Andere-Touristen-Hasser” – ist ja irgendwie klar, dass hübsche Orte schnell voll werden, aber kommt einfach so früh wie möglich in die Altstadt. Danach könnt Ihr zum Beispiel zum Playa Ancon, etwa zwölf Kilometer von Trinidad entfernt (es gibt direkte Busverbindungen) – der Strand soll der schönste von ganz Süd-Kuba sein. Ich war leider nicht dort, aber alle, mit denen ich gesprochen habe, waren begeistert.P1380277Übernachtet haben wir im Brisas Trinidad del Mar. Das Hotel ist der Altstadt nachempfunden und liegt direkt am Strand. Und auch hier kann man auf den Turm klettern, um die Hotel-Altstadt von oben zu sehen. So viel Disney-Denken auf Kuba hat mich an dieser Stelle ein wenig überrascht.DSC_0741P1380286P1380918P1380932P1380912P1380960P1380281P1380305In Trinidad müsst Ihr ausgehen. Zuerst in die Casa de la Música, die eigentlich gar keine Casa ist, sondern eine Treppe hinter der Kirche am Plaza Mayor. Wo abwechselnd Bands spielen und alle auf den Stufen tanzen. Und danach in die Casa de la Trova, die zwar tatsächlich eine Casa ist, wo alle aber trotzdem draußen tanzen. Jung und alt, Besucher und Einheimische, Backpacker und Pauschaltouristen – eine Art Arche Noah der Tanzbars.P1380315P1380330Und das ist die Geschichte hinter diesem verschwommenen Foto: Die ältere Dame steht auf und geht, ohne diesen Mann auch nur eines Blickes zu würdigen, zum Ausgang. Er checkt sie von oben bis unten ab, lehnt sich in seinem Stuhl etwas zurück, nimmt noch einen Zug an seiner Zigarre, steckt sich zwei Finger in den Mund und pfeift ihr hinterher. Sie dreht sich um, lächelt leicht überheblich und will schon weitergehen. Dann steht er auf, nimmt ihre Hand, presst sie an sich und dann tanzen sie. Und die gesamte Arche Noah klatscht. Und dann merke ich, dass es genau ist, was ich seit meiner Zeit in Mexiko so vermisst habe: THE GAME. Von seiner feinsten Seite.

Lest meine weiteren Geschichten über Kuba hier bei Reisen Exklusiv , hier bei der BZ am Sonntag und auf dem Blog über einen Tag in Havanna, über meinen Strandurlaub in Varadero, über Nichts, außer ein paar Bikinibilder ebenfalls in Varadero und über die wunderschöne Insel Cayo Largo.

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Alle lieben Pigeon Point

Was Copacabana für Rio und die Croisette für Cannes, ist Pigeon Point für Tobago. Es ist nicht nur der beliebteste Strand und die Coolen-Prominade der Insel, hier steht auch das Wahrzeichen von Tobago: ein Steg mit einer Hütte. Ja, was soll das auch mit überdimensionalen Christus-Statuen und Eifeltürmen… Aber im Ernst: Pigeon Point wurde unter die besten Strand-Areas der Welt gewählt, man zahlt zwar ca. drei Euro Eintritt, hat aber Bäder, Umkleiden, Bars, Hütten zum Grillen und sogar Gärtner, die zwar nicht wie Jesse Metcalfe aus Desperate Housewifes aussehen, aber fleißig alte Palmenblätter wegräumen und für Kokosnuss-Nachschub sorgen. Aber wo wir schon bei Jesse Metcalfe sind – am Pigeon Point befindet sich auch eine Surfschule ;-) .P1750701P1760228P1760219P1750745P1750724P1750757P1750764P1750774standup2Bei Stand Up Paddling Tobago hatten wir ein paar richtig anstrengende Stunden mit hohem Wellengang. Was leider nicht auf einem Foto festgehaten wurde: Mein doppelter Rückwärts-Salto auf dem Brett. Jedenfalls meinte unser Lehrer Duane, ich hätte ein außerordentliches Talent. Allerdings hat sich später herausgestellt, dass er es zu den anderen vier Mädchen aus der Gruppe auch gesagt hat…P1750783Der Pigeon-Point-Steg ist auch eine Ablegestelle für Glasbodenboote, z.B. für die Buccoo Reef Tour (eines der bekanntesten Korallenriffe der südlichen Antillen). Ich bin allerdings wegen eines ganz anderen Versprechens aufs Boot gestiegen…P1750775P1750850P1750803P1750855P1750956Der Nylon Pool, eine flache, türkis-blaue Sandbank im Riff, soll nach einem Bad darin 10 Jahre jünger machen. Ein Ganzkörperbadeanzug, indem man nicht richtig atmen kann, hat allerdings eine ähnliche Wirkung.P1750948P1760007Der Kapität war z.B. schon über 60 – er springt jeden Tag rein.P1760030P1760077Mein Highlight der Tour (hat natürlich was mit Essen zu tun): der Barbecue-Stop auf der winzigen Insel No Man´s Land, die man theoretisch komplett umlaufen könnte. Wenn man denn nicht so viel gegessen hätte… Stattdessen haben wir einfach nur im Wasser gelegen, Carib (local beer) getrunken und auf dem Rückweg Tanz-Moves als Vorbereitung für den Karneval einstudiert. Oder zumindest als Vorbereitung für die Party, die bei unserer Ankunft gerade am Strand losging.P1760057P1760088P1760094P1760135P1760147P1760156P1760165P1760189P1760188P1760168P1770323Am Pigeon Point steigen am Wochenende (auch am Sonntag!) immer Strandpartys mit lauter Musik, Shrims&Cocktails und Knutsch-Sonnenuntergängen. Dafür war ich dann nach Nylon Pool aber leider zu jung…P1770320P1770382P1770347Flüge: mit Condor via Frankfurt nach Tobago (ab 590 Euro/hin und zurück).

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Haifisch im Brötchen

Was den Berlinern ihr Döner und den New Yorkern ihr Hot Dog, ist den Trinis (Einwohnern von Trinidad) Bake & Shark. Auch hier kann das Brötchen nicht voll genug gestopft werden und es wird eine ganze Wissenschaft daraus gemacht, wer letzendlich den ultimativen Haifisch im Brötchen serviert. Am besten schmeckt das Nationalgericht definitiv an der Maracas Bay, einer Bucht im Norden der Insel. Aber auch hier gibt es gleich eine Reihe an Bake & Shark Ständen – alle mit überdimensionalen Schildern. Folgt man den Einheimischen, ist Richard´s Bake & Shark zumindest einer der besten. Bis zu 2000 Haifischbrötchen gehen hier am Tag über die Theke. Der gesunde Snack besteht aus fritiertem Haifisch (Schwarzspitzen-Riffhai, nicht bedroht!), in einem Brötchen (selbstverständlich auch frittiert) und “ein bisschen Grünzeug”. Aber seht selbst… P1740253P1740274P1740358P1740257P1740330P1740224Das Brötchen mit Fisch bekommt man an der Kasse, das “bisschen Grünzeug” muss man sich dann selbst rauftun. Das Bisschen befindet sich übrigens in 15 Behältern. Was drin ist? Tomaten, Gurken, Salat, Koriander-Kohl, Ananasstücke, Tamarinden, Mangosoße, Chilisoße, Scotch-Benet-Sauße, Fruchtsenf u.s.w. Jetzt kommt der Trick: Je voller man es schafft sein Brötchen vollzupacken, ohne dass etwas rausfällt, desto besser hat man das Prinzip verstanden. Der nächste Schritt: schön aufessen! Hai schmeckt etwas zäher als anderer Fisch, ein bisschen wie Hühnchen (was natürlich auch am Frittieren liegen kann).P1740233P1740337P1740326P1740303Wie ihr an meinem Brötchen seht, habe ich das Prinzip verstanden. Wenn man dann nach diesem Snack ins Wasser geht, braucht man nicht mehr so viel Angst vor den Haien zu haben wie vor dem eigenen Untergang.P1740292P1740302P1740263Maracas Bay muss man übrigens auch ohne Bake&Shark unbedingt gesehen haben. Die tief in die Berghänge eingeschnittene Bucht hat einen der schönsten Strände in Trinidad. Und hier hängen ganz viele Einheimischen rum. Abhängen heißt in Trinidad übrigens “limen”. Kommt von einem früheren Beruf des Zitrusauspressers für die Drinks. Er saß den ganzen Tag da und hat nur limes gequetscht – gelimed.P1740320P1740327P1740318

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Karneval in Trinidad: jeder kann mitmachen

Den größten Karneval der Karibik und den zweitgrößten der Welt nach Rio de Janeiro feiert man in  Trinidad&Tobago. In Rio war ich im letzten Jahr und es war mit Abstand die beste Party, die ich je erlebt habe. So sehr ich es aber auch versucht habe: bei der großen Parade im Sambodromo (nach hinten und nach vorne offener Stadion, wo die Sambaschulen mit ihrer Show durchlaufen) mitzumachen, grenzte an Unmöglichkeit. In Rio ist Karneval die wichtigste Angelegenheit überhaupt, es geht um Millionen, die Kostüme werden vorgegeben, die Choreografien müssen die Mitglieder der Sambaschulen schon Monate vorher genau einstudieren und die konnten einfach kein Mädchen aus Deutschland gebrauchen, das im falschen Moment vor der strengen Jury den linken statt den rechten Zeh hochhebt. Ganz anders ist es in Trinidad. Im Gegensatz zu Rio muss man hier kein Mitglied einer Sambaschule sein – jeder kann sich bei einer Band anmelden und ein Kostüm aussuchen. Auch Touristen. Als ich letzte Woche in der Hauptstadt Port of Spain war, wollte ich deshalb gleich am ersten Tag sehen, ob ich in Trinidad mit meiner Karnevalskarriere weiter vorankomme als in Rio.P1730067P1730062P1730068Ganz früh am morgen bin ich noch kurz aufs Dach von meinem Hotel, um einen kleinen Überblick über die Hauptstadt zu bekommen, in der ich erst bei Dunkelheit gelandet bin. Dann schnell zu der Werkstatt der beliebten Karnevalsgruppe Island People, bevor die besten Outfits weg sind. In Port of Spain gibt es etwa 50 von diesen so genannten Mas Camps (mas von masquerade).P1060563Derrick Lewis ist der Gründer und kreativer Direktor von Island People Mas Camp. Das Motto seiner Gruppe lautet beim kommenden Karneval (3.-4. März 2014) “Mystery, Magic, Marvel” und hier gibt es eine Übersicht der Kostüme. Alle Hüte hatte er am Vortag erst fertiggestellt, der Rest wird je nach Größenbestellung maßgeschneidert… wenn man bei den knappen BH-Schalen und Höschen überhaupt von Schneidern reden kann. Dafür zahlt man eine Pauschale ab 600 Dollar, bei der nicht nur das Kostüm, sondern auch Essen und Trinken an den beiden Karnevalstagen inbegriffen ist. Getanzt wird dann nicht wie in Rio zu Samba, sondern meistens zu Soca. Ist aber nicht weniger Shake dabei…P1730112P1060556Ich durfte einen Hut aus pinken Federn anprobieren. Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch bei einer Sambaschule in Rio schon mal ein großer Fortschritt (lest weiter unten warum), den ich gleich von allen Seiten auf Foto festhalten musste (danke an Tina!)P1730109P1730122P1730104P1060574P1730114Das ist die kleine Werkstatt von Island Peole Mas Camp. Unten zum Vergleich: Die riesige Fabrikhalle von der Sambaschule Unidos da Tijuca in Rio de Janeiro.P1170539P1170589P1170547Als ich die Schule im letzten Jahr besucht habe, wurde noch am Vortag vor der großen Parade genäht und gehämmert. Ich musste auf alle heiligen Jungfrauen Brasiliens schwören, dass ich den “anderen” nichts über die Kostüme verrate. Dabei wusste ich noch nicht einmal, wie die andere Sambaschulen überhaupt heißen…P1170556Es gab Kostüme, die sexy ausgesehen hatten und andere, die.. na ja – für Brasilien-Verhältnisse sehr bedeckt waren. Hier die geheimen Designer-Skizzen.P1170573Mich hat es besonders dicke erwischt. Als ich meinen großen Traum geäußert habe, einmal wie eine Samba-Tänzerin auszusehen, habe ich DAS zum Anprobieren bekommen. Ich weiß nicht genau was es darstellen sollte, ich habe mich jedenfalls gefühlt wie ein mongolischer Unabhängigkeitskämpfer. Jetzt kann sich auch jeder vorstellen, warum ich mich über meinen Hut auf Trinidad so gefreut habe. P1170534Die Pokale von Unidos da Tijuca. Nach meinem Besuch wurde die Sambaschule zum Karnevalssieger 2012. Zum Glück habe ich den anderen nichts über mein Outfit verraten, sonst wäre es bestimmt ganz knapp geworden… Lest meine damalige Geschichte darüber bei bild.de.P1200133Hier meine “Brüder” beim Einsatz im Sambodromo.P1200137Was ich in Rio lernen musste: Die sexy Federn-Kostüme sind nur ein kleiner Teil der Show. P1200099Wenn man Pech hat, ist man eine Mischung aus Lebkuchen und Vogelscheuche…P1200163… oder eine Schwalbe, die die ganze Zeit mit den Flügeln statt mit dem Popo wackeln muss. Aber jetzt ganz im Ernst: Der Karneval in Rio ist und bleibt für mich die unglaublichste Show der Welt. Wenn man aber mitmachen möchte und schon immer davon geträumt hat, eines der Kostüme zu tragen, ist man in Trinidad genau richtig. Mehr Infos zum Karneval in Trinidad&Tobago und die genauen Termine gibt´s hier.

Flüge: mit Condor via Frankfurt nach Tobago (ab 590 Euro/hin und zurück). Für 50 Dollar Fixpreis (hin und zurück) fliegt man jede Stunde weiter nach Trinidad. Auf der kleinen Insel Tobago gibt es zwar auch Karneval, in Trinidad finden aber die größten und die bekanntesten Feierlichkeiten statt.