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Havanna an einem Tag

Vorab: Besser ist es, Ihr bleibt zwei Tage. Oder drei. Oder gleich eine ganze Woche. Wer aber nur einen Tag in Havanna hat, kann trotzdem schon viel sehen, trinken und rumcruisen. Hier ein paar Inspirationen:DSC_9670DSC_9691P1350301Den Stadtrundgang fängt man am besten an der lebhaftesten Straße Havannas an: Die Calle Obispo verläuft mitten durch die Altstadt Havana Vieja (Unesco-Weltkulturerbe, Überraschung) und war damals die einzige asphaltierte Straße Havannas. Sie ist voll mit Läden, Cafés und Hotels. Die schönsten Adressen hier: das Hotel Ambos Mundos (das pinke Gebäude auf den unteren Bildern) mit einer beeindruckenden Lobby und einem Vintage-Aufzug zur Dachterrasse und die Apotheke Taquechel von 1898, gleichzeitig ein Museum. Schon mal mit Kopfschmerzmittel aufrüsten! Die Nächte in Havanna sind lang, was zum Mischen schnell zu Ende. P1350297In manchen Läden kann man “sogar” mit Moneda Nacional bezahlen und nicht nur mit der Touristen-Währung CUC ($1CUC = $25 MN), wie hier für einen romantischen Dinner. Auch das wird extra beworben. P1350274P1350260DSC_9737DSC_0218Vom Edificio Bacardí (damals designt für den berühmten Rum-Hersteller) wacht eine Fledermaus über die Stadt. Ein guter Orientierungspunkt, wenn man sich mal verläuft.P1350255P1350170DSC_9711Die Calle Obispo führt zum ältesten Platz Havannas: Plaza de Armas – mit seinen Königspalmen und Buchständen voller Postkarten und Revolutionsliteratur.P1350290DSC_9766DSC_9719DSC_9667DSC_9764Einmal links abbiegen, schon ist man auf der Plaza de la Catedral. Hübsch, aber Havanna kann noch hübscher. Und irgendwie sind die kleinen Gassen zu den großen Prachtplätzen sowieso die spannendsten. Weil Havanna so herrlich unberechenbar ist. “So wie die Frauen”, schimpfen hier die Männer.DSC_9913DSC_9974DSC_9968P1350329DSC_9792Noch nicht mal zwei Stunden hat es gedauert, bis mein Papa eine neue Freundin gefunden hat – was macht schon die Sprachbarriere, wenn man eine gemeinsame Leidenschaft teilt: das Paffen. P1350382P1350335P1350800P1350306P1350401Zeit für den ersten Drink. Gleich um die Ecke bekommt man in der Kneipe “Bodeguita del Medio” einen guten Eindruck von Hemingways Standhaftigkeit. Schon vormittags. In das wohl berühmteste Lokal Havannas und die ehemalige Lieblingskneipe des Schriftstellers drängen sich heute überwiegend Touristen: Also schnell für 3 CUC einen Mojito trinken, seinen Namen auf die Wand kritzeln – solange man den noch weiß – und raus. Hier tranken übrigens schon Gabriel García Márquez, Brigitte Bardot und Harry Belafonte. Errol Flynn brachte es auf den Punkt: “A great place to get drunk.” Natürlich ist es das! Der alte Mann und die Minze können sich einfach nicht geirrt haben…P1350377P1350420P1350372P1350565 2P1350485An der sieben Kilometer langen Uferpromene Malecón trifft man sich zum Angeln und Knutschen. Das zweite eher am Abend, deshalb sollte man nach Möglichkeit zum Sonnenuntergang kommen. Dann schwappen die Wellen auf die Straßen über, machen Spaziergänger und Oldtimer nass und die von der Meeresluft zerfressenen Fassaden hüllen sich für eine halbe Stunde in ein schimmerndes Gold. Bevor sie wieder zu Ruinen werden. Ach, so poetisch nach dem Mojito.P1350506P1350623Von Malecón biegt man nach links auf den ehemaligen Prachtboulevard Paseo del Prado (Paseo de Martí sagt kein Mensch) ab. Viele Gebäude sind seit der kubanischen Revolution verfallen und mussten wegen Einsturzgefahr zwangsgeräumt werden. Einige wurden aber restauriert (zumindest von außen) und schön gestrichen. Und solange es diesen Mix gibt, werden in den Straßen der Altstadt noch echte Menschen leben, die ihre Wäsche aufhängen und über Balkone streiten. Und nicht nur Firmen, die sich die Miete leisten können. P1350609P1350734P1350582P1350545P1350629P1350783P1360908Auch wenn es auf Kuba nur eine Sorte Milch und eine Sorte Käse geben mag, meint man es mit Zigarren viel ernster. Es gibt 200 Sorten und man muss aufpassen, welche man raucht, denn das ist gleichzeitig auch ein Statement. „Die Cohibas” (die teuersten) rauchte immer Fidel Castro, “Montecristo” Che Guevara und “Romeo y Julieta” Churchill. Nur Hemingway rauchte nichts, er hat immer nur getrunken. P1350634P1350661Das Capitol ist das Wahrzeichen Havannas und ist einen ganzen Meter höher als das Original in Washington. Damit es so ist, hat man extra einen Dorn aufs Dach montieren lassen. Jetzt ist man ja Freunde, aber so sehr dann doch wieder nicht: Der Dorn bleibt.P1350827DSC_9918P1350798DSC_0131P1350814Von der Straße Teniente Rey kann man dieses berühmte Capitol-Bild machen, das alle Reiseführer ziert.P1350695P1350700P1350764Ein weiterer schöner Platz ist Plaza Vieja. Er ist nicht ganz so überfüllt wie die anderen zwei, aus den Cafés dröhnt Salsa und ständig kommt jemand vorbei, der kurz dazu tanzt, um dann einfach weiterzugehen. P1350751P1350744DSC_0122Hierher fährt man am besten mit einem Taxi: Plaza de la Revolución in der Neustadt, wo Fidel Castro am 1. Mai 1959 seine berühmte Revolutionsrede an die Kubaner hielt. Rund 1,5 Millionen Menschen passen zwischen die umliegenden Regierungsgebäude im Plattenbaustil, darunter das Innenministerium mit Che-Guevara-Bildnis und seinem Revolutionsmotto “Hasta la Victoria Siempre”.P1360804Darauf einen Daiquiri. Hemingway hat seinen Alkoholkonsum ganz gerecht auf zwei Lokale aufgeteilt und sagte damals: „Meinen Mojito in der Bodeguita, meinen Daiquiri in der Floridita“. Ich folge dieser Reihenfolge und gehe in die Floridita erst am Abend – vor der großen Tropicana-Vorstellung.P1360786P1360943P1350928Tropicana ist die berühmteste Show in ganz Kuba und in diesem Freiluft-Revuetheater (bei Regen keine Vorstellungen) hat man tatsächlich das Gefühl, in die goldenen Zwanziger zurückversetzt zu sein. Der Massentourismus kam nach Kuba nämlich schon lange vor der Bebauung des Badeortes Varadero. Er wurde in den Zwanzigern durch die Prohibition in den USA ausgelöst. In Kuba gab es weder eine Beschränkung für Alkohol noch für Glücksspiel. Und: Es liegt nahe an Florida. Und während die New Yorker in einer ihrer 30 000 düsteren “Flüsterkneipen” für Alkohol ihr letztes Geld auf den Tresen hauten, hatte man in den Südstaaten nur einen kurzen Schiffsweg zum Glück.P1350916Später am Abend waren die Tänzerinnen dann nur noch mit Palmenblättern bedeckt. “Die Königspalme ist der kubanische Nationalbaum”, erklärte mir ein Kellner die tiefsinnige Symbolik dieser Bekleidung und schenkte zum dritten Mal innerhalb von 20 Minuten Rum nach. Mischgetränke gab es nach fünf Minuten schon keine mehr. Ich war nicht traurig. P1360044Günstige Kuba-Reisen findet Ihr bei Alltours – sowohl Rundreisen als auch reine Badereisen. Meine Empfehlung wäre eine Woche Baden mit einer Woche Rundreise zu kombinieren. Und auf jeden Fall länger in Havanna zu bleiben, um mir zu erzählen, was ich mir beim nächsten Mal noch alles anschauen muss!